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Arcotel Kaiserwasser: Nah am Wasser, nah der Stadt

Autor: Gregor Faistauer.  Veröffentlicht am 11.10.2017

Dass Geschäft und Erholung so nahe beieinander sein können, erlebt man nicht oft. In Wien gibt es mit dem Arcotel „Kaiserwasser“ ein beeindruckendes Haus genau an der Schnittstelle zwischen diesen beiden Lebensbereichen, wo man es leidenschaftlich versteht, den Wünschen des Gastes auf jeder Seite seines Tagesspektrums angenehm gerecht zu werden.

Das Arcotel Kaiserwasser liegt verkehrsgünstig, aber doch in der Natur. © Arcotel Unter anderem gibt es großzügig bemessene Appartements. © Arcotel Die Terrasse des Restaurants bietet im Sommer eine nette Kulisse. © Arcotel

Vom Hauptbahnhof kommt man in einer gemütlichen Viertel Stunde mit der U1 über die Donau. An der Station Kaisermühlen liegen auf der einen Seite UNO-City, Vienna International Center und einige der repräsentativen Hochhäuser der Stadt, auf der anderen schwappt die Alte Donau ans Stadtufer.

Für jene, die das noch nicht wissen: Die Alte Donau ist als Rest des ursprünglichen Flusslaufs heute ein stehendes Gewässer und hoch geschätztes Naherholungsgebiet der Wiener Bevölkerung mit etlichen öffentlichen Bädern.

Verlässt man die U-Bahn-Station also und biegt links ab, so muss man nur noch unter der Wagramer Straße durch und ist nach gut hundert Metern Fußweg auch schon am Kaiserwasser. Was heute eine Art einsame stille Bucht ist, erhielt seinen Namen schon vor vielen Jahren als einer der Hauptarme der noch unregulierten Donau. Denselben Namen erhielt auch das 2007 eröffnete Arcotel, das schon von außen betrachtet die Verbindung zwischen internationalem Konferenzstandort und Wiener Geschichte schafft. Geht man um das Haus herum, finden sich in die Fassade eigearbeitet zuerst die Namen der großen Donau-Geschwister Nil, Amazonas und Jangtse, bevor man um die Ecke dann Urwiener Größen wie Schubert, Nestroy, Schönberg, Falco, Loos und Freud begegnet.

Das Unternehmen ‚Arcotel Hotels’ wurde 1989 in Wien von Raimund D. Wimmer gegründet. Fünf Jahre später eröffnete das erste Arcotel Wimberger in der Nähe des Westbahnhofs, mittlerweile umfasst die Gruppe elf Häuser in Österreich (Wien, Linz, Salzburg, Klagenfurt), Deutschland (Stuttgart, Hamburg, Berlin) und Kroatien (Zagreb). Im August 2017 macht das Arcotel Donauzentrum das Dutzend voll.

Im Arcotel „Kaiserwasser“ heißt Hotelchef Philipp Pratl seine Gäste herzlich willkommen. Eine ob ihrer Größe eindrucksvolle Eingangshalle öffnet sich freundlich hell über einen Wintergarten hinweg zu Restaurant und Terrasse hin. Sämtliche Arcotels entstanden unter der architektonischen Verantwortung von Prof. Harald Schreiber; Dr. Renate Wimmer, die Frau des 2006 verstorbenen Firmengründers, beteiligt sich engagiert und durchaus sichtbar an der Gestaltung, die stets mit dem Standort kommuniziert. Ein Arcotel in Wien sieht daher ganz essentiell anders aus als eines in Berlin und selbst die Arcotels einer Stadt unterscheiden sich voneinander. Es ist ausgesprochen gewollt, dass jedes Haus seinen individuellen und regionalen Charakter erhält und nicht in austauschbarem Einheitsbrei untergeht. Frau Wimmer sucht für jedes Hotel eigenen Marmor für Böden und Bäder aus und lässt jedem Haus seine eigenen Teppiche designen und anfertigen. So begleiten den Gast  im „Kaiserwasser“ in Wien auf allen Gängen Reminiszenzen an Sehenswürdigkeiten und Institutionen der Stadt, wobei man sich nicht nur auf die ohnehin weltweit populären Hotspots wie Schönbrunn, Rathaus oder Staatsoper beschränkt. Auch weniger bekannte wie das MAK-Museum für angewandte Kunst, der Narrenturm, das Hofmobiliendepot oder das Schafbergbad finden ihren Platz.

Die unmittelbare Umgebung des Hotels spiegelt sich in Restaurant und Zimmern wider. Die rot-grüne Färbung des Teppichs entspricht den Farben des Kaiserwassers, wenn es im Schein der untergehenden Sonne durch die Bäume glänzt und um die großen Zimmerspiegel sowie die Lehnen der Stühle ranken sich silbrige Wellen. Schließlich fand man sogar einen Lieferanten, der Mineralwasser mit dem Namen des Hotels ins Haus liefert.

Das Arcotel „Kaiserwasser“ hat insgesamt 282 Zimmer, wovon sich knapp achtzig auf der vierten und fünften Etage befinden, die ein paar feine Annehmlichkeiten bieten. Als Gast der Kategorie Executive genießt man auch den Zugang zu einer Lounge, in der zwischen 7.00 und 22.00 Uhr Getränke, eine gescheite Kaffeemaschine und süße wie pikante Petit-fours und Kuchen zur Verfügung stehen. Dazu befindet sich der Wellnessbereich ums Eck. Der bietet neben Finnischer Sauna, Kräutersauna, Dampfbad, Erlebnisdusche und einigen Fitnessgeräten einen grandiosen Ausblick in Richtung Donau und Innenstadt und ist bis Mitternacht zugänglich. Da kann man sogar noch nach dem abendlichen Stadtbummel oder Theaterbesuch auf einen Aufguss vor der Nachtruhe vorbeischauen.

Im der Alten Donau zugewandten Trakt des „Kaiserwasser“ verfügen die zur Terrasse hin gelegenen Executive-Zimmer über einen Balkon. Nun, ein Ozean ist die Alte Donau nicht, sitzt man aber hier am Abend mit einem feinen Drink und in angenehmer Gesellschaft, kann schon ein wenig das Gefühl von der Balkon-Suite eines Mittelmeerkreuzers – hoch thronend über den Wellen – aufkommen.

A propos Suite: Davon gibt es dort ein ganzes Dutzend mit Größen zwischen 70 und 100 Quadratmetern. Die sind – wie der Rest des Hauses – auch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität behindertenfreundlich eingerichtet. Entspannt zu wohnen soll ja grundsätzlich jedem ermöglicht sein. Ein charmantes Gimmick ist in einer Suite gewiss der durch ein großes Schiebeportal herstellbare Durchblick aus der Badewanne auf den Wohnraum samt großzügigem Fernseher. Und wenn’s draußen einmal kalt und regnerisch sein sollte, wird der Gast den lauschigen Kaminofen in mancher der Suiten sehr schätzen. Die natürliche Wärme eines Holzfeuers verströmt schon eigene Lebensqualität und da ist auch der Preis um die € 600,00 pro Nacht durchaus angemessen; individuellen Wünschen wird auf Anfrage und nach Möglichkeit gerne nachgekommen.

Die ansonsten überwiegend als Comfort-Zimmer ausgestatteten Räume sind freilich günstiger; dazu lohnt es sich auch immer, einen Blick auf die Angebots-Seite der Arcotels zu werfen. Wochend-Packages und Familienangebote sind besonders attraktiv und beinhalten teilweise Extras wie zum Beispiel die kleine Getränkeauswahl und Snacks aus der Executive-Lounge.

Die Zimmer sind natürlich alles in allem sehr ordentlich, da gibt es nichts zu jammern. Wer Ausblick auf die Natur haben will, soll das beim Buchen anmerken; wohnt man zur Wagramer Straße hin, ist Schlafen bei offenem Fenster eher nix, Klimaanlage gibt es aber selbstverständlich. Ein paar kleine Details verweisen darauf, dass man sich bei Arcotels schon Gedanken um den Gast macht: Mit einem üppigen knallroten Eckfauteuil samt Hocker hat man eine hervorragende Lümmelecke, zum Fernseher gibt’s in den Executive-Zimmern auch einen DVD-Player, so man mit dem Programm nicht zufrieden ist und für die Gesundheit sitzen in einem eigens angefertigten Gestell frische Äpfel und warten auf Verzehr.

Zwei auffällige Drucksorten hat man hier auch entwickelt. Einmal wurde der sonst oft überdimensionierte Info-Ordner auf ein übersichtliches Faltblatt reduziert – keine Angst, da fehlt nichts – und dann führt die Gruppe unter dem Titel „Stories“ ein hauseigenes Magazin, das neben Reportagen zu den einzelnen Häusern und ihren Annehmlichkeiten auch über Wesen, Angebote und Ereignisse der jeweiligen Städte berichtet. Selbst ansonsten streng gehütete Rezepte aus den vielfältigen und international geprägten Küchen der Arcotel-Restaurats werden da preisgegeben.

Aufgrund der Nähe zur Uno-City ist es nicht verwunderlich, dass vor allem internationale Gäste die kleinen Aufmerksamkeiten des „Kaiserwasser“ schätzen. Dem heimischen Gast mag es entgehen, doch für Besucher aus fernen Ländern ist es gewiss eine feine Geste, wenn Sie im Hotel auf Personal treffen, das sie in ihrer eigenen Sprache begrüßen kann. Hoteldirektor Pratl verdankt dies einem großen Nationenmix auf Personalseite und kann so neben Gängigem wie Englisch, Französisch oder Spanisch etwa auch mit Rumänisch, Filipino, Ungarisch oder Afrikaans dienen.

Auf das Personal wird geachtet und Arcotel bildet selbst aus. Zurzeit unseres Besuchs sind es in etwa ein Dutzend junger Leute, die in Service, Küche und Back-office ihre Lehre machen. Für den jüngsten Standort Donauzentrum fand kurz zuvor ein Casting-Tag statt, im Rahmen dessen die künftige Hausmannschaft in verschiedensten Aufgabenbereichen getestet und ausgewählt wurde. Arcotel generiert sich damit ein Team, das den Geist des Hauses versteht und von Anfang an mitträgt. Die Zufriedenheit des Gastes misst sich schließlich längst nicht mehr daran, dass nichts daneben geht, sondern im selbstverständlichen Entgegenkommen entsprechend allfälliger Wünsche. Zur Sicherheit und gewiss auch im Sinne der eigenen Weiterentwicklung wird man als Gast denn auch sehr aufmerksam gefragt, ob denn alles Recht gewesen sei. – Jaja, war schon.

Besonders auffällig ist diese Haltung im Restaurant UNO, wo Haubenkoch Johann Schwarz die Nahrung verantwortet. Er war zuvor 15 Jahre lang im Wiener Imperial tätig und übernahm 2007 mit Eröffnung des „Kaiserwasser“ dort das kulinarische Szepter. Schwarz entwickelte an diesem Platz ein Zentrum für scheinbar widersprüchliche Kompetenz. „Vegan vs. Beef“ nennt sich das Konzept und trifft die Leidenschaft notorischer Fleischgenießer ebenso wie jene der konsequenten Verweigerer tierischer Lebensmittel an ihrem empfänglichsten Nerv.

Die Karte ist nicht sehr umfangreich, aber man darf sich einerseits auf feine Teile von guter Kuh mit nicht weniger sorgsam bereiteten Beilagen freuen und wer eben nichts vom Tier haben will, findet hier endlich einmal eine Auswahl an Speisen, die durch kreative Vielfalt und adäquaten Umgang mit den Rohstoffen besticht.

Auch am Frühstücksbuffet hat Schwarz eine einschlägige Abteilung eingerichtet und belehrt so jene, die vegane Ernährung ausschließlich mit geschmacksbefreiten Gummiwürfeln assoziieren eines Besseren: angerichtet mit Gemüse und fein mariniert oder in diversen Aufstrichen verarbeitet schmeckt das gediegen und man sollte sich durchaus dazu verleiten lassen, die kulinarische Seite zumindest für einen Versuch zu wechseln. Es verwundert nicht, dass das Arcotel „Kaiserwasser“ mit dem „Vegan-Ball“ seit einigen Jahren jeden Februar Gastgeber des weltweit größten Events in diesem Bereich ist.

Es sei lobend erwähnt, dass Johann Schwarz sich insgesamt und auch abseits des eigenen Herds für die ordentliche Küche engagiert. Als Vorstandsmitglied des „Wiener Chef’s Table“, der die aussagekräftigsten Exponenten der Wiener Küche versammelt, entwickelt er das Credo „Nous ne vivons pas pour manger mais pour bien manger!!!“ – zu Deutsch „Wir leben nicht um zu essen, sondern um gut zu essen!!!“ gemeinsam mit Kollegen weiter. Im „Kaiserwasser“ bringt er diesen Leitsatz jedenfalls täglich aus seiner Küche an die Tische, die dort entweder im Restaurant oder auf der Terrasse stehen. In der Stadt findet man wohl schwerlich einen anderen Platz, an dem sich ein Hotelgebäude so gegen den Naturraum hin öffnet, dass man gemütlich vom Arbeitsalltag in die Freizeit hinübergleitet.

Gleiten kann man auch über das Wasser. Mit ARCOpulco bieter Philipp Pratl eine besondere Verknüpfung von Hotelservice und Aufenthalt am Wasser. Eigentlich für den Einsatz in Dubai entwickelt, können auf modular zusammenbaubaren Plattformen bis zu neunzig Personen in See stechen. Egal, ob sie sich nun hier zu einer Konferenz, einem Workshop oder einer Präsentation zusammenkommen, der gesamte Service mit Getränken und Imbiss kommt an Bord oder wird auf der Terrasse gereicht. 

So ganz nebenbei sind die schwimmenen Inseln auch Ausdruck des Umweltgedankens, der in den Arcotels gepflogen wird. Sie bestehen aus recyceltem Material und Hanffasern und werden sanft und nahezu lautlos von einem Elektromotor angetrieben. Das „Kaiserwasser“ bietet zwar auch sehr schöne und in ihrer Dimension variable Konferenzräume, das Angebot am Wasser ist aber eine attraktive naturnahe Alternative. Sollte das Wetter also einmal nicht hinhauenkann man nach drinnen gehen. Für Präsentationen der größeren Art hat man im Wintergarten eine ansehnliche Leinwand von 18 Quadratmetern Fläche montiert. Der dazugehörige Beamer spielt alle Stückeln und dürfte sogar manch stolzen Besitzer eines Heimkinos vor Neid erblassen lassen.

Für die Natur übernimmt die Arcotel-Gruppe insgesamt hohe Verantwortung. Deutlichstes Zeichen davon ist die Aktion „Give Bees a chance ...“, welche aus der Erkenntnis heraus entstand, dass unser Dasein ohne Bienen in der Zukunft ganz erheblich zu leiden hätte. In jedem Zimmer liegt ein Türhänger, mittels dem der Gast bei mehreren Nächtigungen mitteilen kann, dass er seine Bleibe jetzt nicht jeden Tag komplett durchgeputzt haben muss (tut ja daheim auch keiner, oder..??). Für die Ersparnis legt die Hotelleitung jeweils einen Beitrag in den Bienentopf und fördert daraus Jahr für Jahr wechselnde Umweltprojekte. In Österreich gelangten unter anderem der Bienenpark in Pöchlarn, die Wildbienenhotels des Naturschutzbundes Steiermark und das Naturhistorische Museum für Forschungsprojekte in diesen Genuss. Insgesamt konnte die Arcotel-Gruppe auf diese Weise im Jahr 2016 satte € 100.000,00 an Umweltinitiativen weitergeben, Anwärter für nachhaltige Ideen stoßen bei Frau Dr. Wimmer auf eine neugierige Zuhörerin.

Haben’s die Bienen gut, haben’s auch die Menschen gut und daran ist denen in der Chefetage gelegen. Philipp Pratl ist stolz auf sein Haus und froh, dass er nur zehn Minuten zu Fuß zur Donauinsel hat, wo am Abend die Sonne hinter dem Kahlenberg verglüht. Wer mag, findet dort auch eine reiche Lokalszene, jede Menge Sportmöglichkeiten sowie Rad- und Laufstrecken. Hinter der UNO-City erstreckt sich der Donaupark und wer noch einmal flott ins Zentrum will, kein Problem – im „Kaiserwasser“ logiert man ja zwischen Beruf und Freizeit, Ruhe der Natur und städtischem Flair.

– Also: rein in die U1 und ab in die Mitte, das geht flott – ist ja nah.

ReiseInsider-Tipps:

A) Wer zwischendurch einmal Ruhe an einem besonderen Platz im Haus sucht, erreicht vom fünften Stock des Hauses aus die Dachterrasse. Wenn es schon spät ist und auf der Wagramer Straße kaum noch wer unterwegs ... das ist ein feiner Platz für einen Drink am Abend mit coolem Ausblick auf die Architektur der Umgebung! – Ruhezeit!

B) Für Fleischtiger, die Küchenaction lieben, bietet Johann Schwarz mit seinem Team unterhaltsame Grillabende, bei denen jeder am Tisch zum Grillmeister avanciert. Pro Tisch wird ein von unten befeuerter „Tatarenhut“ aufgetragen, an dem man sich seine saftigen Stücke dann selbst herbruzzeln kann. – Mahlzeit!

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