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Auszeit im Schillerpark

Autor: Gregor Faistauer.  Veröffentlicht am 04.10.2016

Wer in Linz nächtigt, kann dies komfortabel im "Schillerpark" tun. ReiseInsider hat sich das Hotel genauer angesehen.

Eingang zum Hotel "Schillerpark" in der Linzer Innenstadt. © Austria Trend Hotels Panorama Suite im Hotel "Schillerpark". © Austria Trend Hotels

Seit über dreißig Jahren stellt die „Linzer Klangwolke“ einen einzigartigen Event im Österreichischen Kulturkalender dar. Klassische Musik trifft auf die neuesten Errungenschaften multimedialer Performance – allein das eine Reise wert.
Warmup ist ab 19.30 Uhr im Donaupark, um 20.30 startet das Spektakel für alle Sinne, dem man sich bis zum Ende nicht zu entziehen vermag. Die Stimmung ist prächtig und so lohnt es sich, auch das spätabens noch aufgebotene DJ-Lineup samt allen kulinarischen Angeboten zu nützen. Irgendwann einmal nächtens fällt man selig in sein Bett und nimmt das Erlebte mit in den Schlaf.

Das unsere stand ziemlich zentral im Hotel "Schillerpark", einem Vier-Sterne-Superior-Haus aus der Austria-Trend-Familie, vom Bahnhof in zehn Minuten zu Fuß oder per Straßenbahn erreichbar. In einer Viertelstunde ist man an der Donau und damit an wesentlichen kulturellen Einrichtungen wie dem Kunstmuseum Lentos und dem Ars Electronica Center.

Der Empfang bei der Anreise ist einem Haus dieser Klasse angemessen, also sehr freundlich und zuvorkommend. Der aufmerksame Herr an der Rezeption outet sich als Salzburger, was dem Autor zusätzlich schmeichelt und beide freuen sich über ein kleines Stück Heimat.

Im fünften Stock finden wir unser Executive Doppelzimmer und sind beim Eintreten schon einmal ziemlich überrascht. Der lichtdurchflutete Raum von 30 m2 besitzt an beiden Seiten großzügige Fenster. Auf der einen Seite ein Ausblick auf Dom und grüne Hügel und auf der anderen Seite über die Stadt. Da befindet sich auch ein kiesbedecktes Dach, von dem man schmerzlich bedauert, es nicht als Terrasse nutzen zu können. Die Vorstellung, dort im Sonnenschein sein Frühstück einnehmen zu können möge den Architekten des Hauses hoffentlich einmal erreichen. Der hat nämlich, was Zimmerschnitt und Ausstattung anlangt, ein höchst erfreuliches Händchen bewiesen.

Das Bad ist so eingebaut, dass einerseits eine Art Vorraum entstanden ist. Dort befindet sich ein Kleiderschrank, in dem man tatsächlich auch einmal eine Wochengarderobe unterbringt. Der Safe ist groß genug für einen Laptop und so lässt das Thema Stauraum keine Fragen offen. Einziges Leiden sind die Kleiderbügel mit Anti-Klau-Aufhängung anstatt eines Hakens. Man versteht die Hoteliers ja, aber man würde halt doch auch einmal ganz gerne was zum Lüften raushängen...

Auf der anderen Seite bietet der Schlaf-/Wohnbereich reichlich Platz, der Schreibtisch verdient die Bezeichnung als solcher und das Doppelbett ist von einer Dimension, die man schon fast landschaftlich nennen kann. Summasummarum also schon einmal sehr gute Voraussetzungen um sich und seiner Seele eine gute Portion Lebens- und andere Kultur zu gönnen.

Im Bad dazwischen – ordentlich, schön und geräumig ohne zu viel Platz wegzunehmen – fallen Pflegeprodukte der Serie „ECO“ auf, ein Ökolabel gemäß Nachhaltigkeitskriterien der Europäischen Kommission. Erfreulich, dass sich Hotels dem Umweltgedanken mehr und mehr widmen. Konkret bedeutet dies pflanzenbasierte Seifen, in denen statt tierischer Fette Palmöl verarbeitet wird. Das ist mittlerweile zwar auch einigermaßen in Verruf geraten (Urwaldrodungen, Umsiedlungen, schlechte Arbeitsbedingungen), es gibt aber auch hier fairen Handel. Ob die ECO-Linie auch dieses Kriterium erfüllt, ist leider nicht ersichtlich.

Die Minibar ist mit weitgehend österreichischen Produkten beladen. Ob dies aufgrund von patriotischem Stolz oder auch der Ökologie wegen geschieht, ist im Grunde genommen unerheblich, die Qualität des Angebots passt. Durchaus gute Weine finden sich da. Weiße Cuvée von Sabathi und Zweigelt von Umathum sind schon ein angenehmer Ausklang am Abend. Mit € 11,20 ist die Halbbouteille (0,375l) halt nicht grade wohlfeil. Wenn man aber ohnehin nicht diese ganze Portion haben will, wird im Restaurant und in der Bar im Erdgeschoß für € 2,50 bis € 3,50 pro Achtel ganz gutes Gewächs kredenzt. Im Sommer auch angenehm vor dem Hotel im Freien. So kann man sich entspannt zur Nachtruhe begeben.

Diese findet man – selbst bei offenem Fenster – in erstaunlicher Stille. Dass man mitten im Zentrum ein Refugium vorfindet, in dem höchstens manchmal ein Vogel zwitschert oder entfernt eine Turmuhr schlägt, darf durchaus als besonders bezeichnet werden und lädt zum Wiederkommen und Längerbleiben ein.

So kann der Morgen durchaus ausgedehnter werden, was die Küche denn auch mit Frühstück bis 10.30 Uhr berücksichtigt. Der Frühstücksraum ist hell und freundlich, der Sommergast darf sich allerdings auch hierfür eines Platzes im Freien erfreuen. Am Buffet ist im Grunde genommen alles vorhanden, was man in der Hotelklasse erwarten darf. Leider fehlt es ein wenig an der sprichwörtlichen Liebe zum Detail. Gut, Pfeffermühle gibt es auf Bestellung, doch hilft auch noch so frischer Pfeffer dem Rührei nicht aus seiner wässrigen Konsistenz. Die Käseplatte nimmt sich auf den ersten Blick vielfältig aus, bei näherem Hinsehen bietet sie aber doch viel vom selben und das geschmacklich eher fad.

Dazu hätte man sich beim Waschen der Weintrauben auch die Mühe machen sollen, nicht nur die verdorbenen zu entfernen, sondern auch deren Gatsch von den verbleibenden zu nehmen. Auch die Schüssel mit den Cocktailtomaten hätte etwas aufmerksamere Sichtung vertragen. Bei Schinken, Speck und Wurst keine Aufreger. Etwas weniger vielleicht, dafür Besonderes, wäre fein. Wie lange die Croissants schon in der Wärmekammer lagen, kann nur geahnt werden, jedenfalls haben sie es bis knapp zum Zwieback geschafft.

Auf der Plus-Seite sind wirklich knuspriger Frühstücksspeck, sautiertes Gemüse mit edlen Kräuterseitlingen statt des ewigen Champignons, Räucherlachs (leider ohne Sauce) und g’schmackiges Vollkornbrot zu vermerken. Dazu guter Bio-Kaffee von Sonnentor. Diese Manufaktur verantwortet auch das Müsli und liefert eine erfreuliche Alternative zu mancher Art Sägespäne, die man sonst schon an Frühstücksmeilen angetroffen hat. Teeliebhaber finden an einer eigenen Theke eine sehr schöne Auswahl vor, die sichtlich auch viel in Anspruch genommen wird. Ein solches Angebot ist nicht selbstverständlich und lohnt sich allemal.

Was aber kostet die Auszeit im Linzer Zentrum? Im Schrank des Zimmers findet sich eine Zimmerpreisliste, die für unser Executive Doppelzimmer € 310,00 ausweist. Das mag für Kurzentschlossene in Ordnung sein, frühes Buchen macht sich aber im wahrsten Sinne des Wortes bezahlt. Der Frühstückspreis ist auf einschlägigen Buchungsseiten mit € 17,00 angegeben, was angesichts des Angebots ganz in Ordnung ist. In der Vierstern-Klasse wäre man aber für ein auch noch mit etwas mehr Liebe bedachtes Frühstück gerne bereit, da noch draufzulegen. Denn die Lage des "Schillerpark" ist grandios, die Ruhe im Zentrum beeindruckend und die Zimmer sind wirklich schön.

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