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Der zweite Blick lohnt: Steigenberger Hotel Herrenhof

Autor: Gregor Faistauer.  Veröffentlicht am 27.02.2016

ReiseInsider hat sich das Hotel in der Wiener Innenstadt genauer angesehen - und wurde dabei gleich mehrfach überrascht.

Das Steigenberger Hotel Herrenhof liegt mitten in der Stadt. © Steigenberger Hotel Herrenhof Elegantes und beruhigendes Styling der Zimmer. © Steigenberger Hotel Herrenhof Eine Bar wie aus dem Bilderbuch. © Steigenberger Hotel Herrenhof Hoteldirektorin Elisabeth Perwanger und Imker Alfred Hauska. © Steigenberger Hotel Herrenhof / Christian Houdek

Sie hießen einst „Biotel“ oder „Ökohof“ oder führten andere sprachliche Accessoires in ihren Bezeichnungen und wenn man vor zehn bis fünfzehn Jahren eine Geschäfts- oder Urlaubsreise auf Basis ökologischer Überlegungen plante, so geschah es oftmals im Bewusstsein, dass man zur Schonung der Umwelt halt auch einmal auf etwas verzichten muss.

Andererseits galten in derselben Zeit die Herbergen des gehobeneren Preissegments als die Orte üppiger Verschwendung, wo für das Wohl des Gastes die Ökologie eben hinten anstehen musste.

Im Steigenberger Hotel Herrenhof geht man nun schon seit einigen Jahren einen Weg, der die Interessen des Gastes und den Respekt vor der Umwelt in Einklang zu bringen versucht. Da die Hotelleitung das nicht recht hinausposaunt, sei hier unter anderem auf manchen nicht auf den ersten Blick offenkundigen Mehrwert verwiesen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das „Café Herrenhof“ eine wesentliche Instution der Wiener Kaffeehauskultur, welche von zahlreichen namhaften Literaten – u.a. Joseph Roth, Robert Musil, Friedrich Torberg und Elias Canetti – frequentiert wurde. An diese Blütezeit konnte man nach dem Zweiten Weltkrieg leider nie mehr anknüpfen und so wurde das Café 2006 geschlossen. Nach umfangreichem Umbau eröffnete 2008 an der zentralen Adresse mit dem Steigenberger Hotel Herrenhof ein modernes und sympathisches 5-Stern-Haus.

Von einem solchen darf man einiges erwarten. Da wären zuerst einmal ein ordentlicher Empfang, vernünftige Zimmer und gediegener Service. Grob gesagt passt das alles hier – so wie an zahlreichen anderen Adressen auch. Doch schon am Empfang ist was anders. Der Portier erweist sich nicht nur als freundlich, sondern vermittelt vom ersten Moment an ein hohes Interesse am Wohlbefinden seines Gegenübers. Der Auftrag „Lieber Gast, hier soll es dir an nichts fehlen!“ wird schon an der Theke ganz klar definiert und der Handschlag zur Begrüßung scheint das zu bekräftigen. Nun wäre das womöglich aber noch gar nicht so besonders, geht man davon aus, dass man eh alles kriegt, wonach man fragt. Im Herrenhof aber geschieht viel auf sympathische Weise ohne fragen zu müssen.

Die kurze Einführung in die Ausstattung des Zimmers ist kompakt und vollständig, sie wirkt weder aufdringlich noch eingelernt. Zuerst fällt außer großzügig, hell und sauber nicht viel auf. Doch der zweite Blick lohnt. Dass in 95% der 196 Zimmer (davon zehn Suiten) die Toilette mit einer Milchglastür vom Bad getrennt ist, darf man als angenehm betrachten, selbst in den Superior-Zimmern mit „nur“ 22 m2 ist das so.

Schön ist hingegen auf jeden Fall die Dimension der Betten, die auch den Langen unter den Herbergsuchenden noch warme Füße ohne Faltschlaftechnik beschert. Dazu ist es angenehm ruhig.

Die Lage des Hotels ist grandios. In drei Minuten ist man zu Fuß am Graben, in der Kärnter Straße oder am Stephansplatz, zehn Minuten geht man zur Ringstraße und damit zu Oper, Kunst- und Naturhistorischem Museum sowie Museumsquartier. Zur U-Bahn sind es gerade einmal fünfzig Meter. Das legt eine umweltverträgliche Anreise nahe.

„Mutter Erde ist uns wichtig“ steht auf der ersten Seite der Gästemappe. Die Überschrift zeigt, dass man sich in diesem Haus offenbar nicht nur um die „gewöhnlichen“ Dinge sorgt. Im Jahr 2013 erfolgte erstmals die Zertifizierung nach der Umweltnorm ISO 14001. Im Tagungsbereich ist diese Maßnahme bereits vom Start weg präsent. Schon bei der Anmeldung online kann man sich die CO2-Bilanz der Tagung ausrechnen lassen und diese bei atmosfair kompensieren. Außerdem gibt’s am Tagungstisch ausschließlich Bio-Säfte und sogar die Kugelschreiber bestehen aus recyceltem Papier. Dazu legt Küchenchef Stefan Schartner Wert auf regionale Produkte und von allem, was ers aus der Küche schickt liegt der Anteil an BIO-Produkten seit 2015 bei respektablen 70 Prozent.

All das wirkt natürlich auch in den restlichen Hotelbereich hinein, wo er aber noch nicht in dem Maße kommuniziert wird wie er tatsächlich vonstatten geht. Hier sind wir wieder bei jenen Dingen, um die sich ohne viel Aufhebens gekümmert wird, ohne dass der Gast irgendeine Einbuße an Komfort zu erleiden hätte. Die Wägen des Housekeepings sind mit einem Mülltrennsystem bestückt und bereits im Einkauf wird auf Müllvermeidung geachtet. Selbst die Auswahl der Reinigungsmittel wurde insofern umgestellt, dass die Umweltbelastung möglichst gering gehalten wird. In Summe vermeidet das pro Jahr mittlerweile gut sechseinhalb Tonnen Abfall und brachte dem Herrenhof 2012 das Österreichische Umweltzeichen ein.

Man könnte Steigenberger natürlich vorhalten, dass hiermit nur Kosten gemindert würden. – Wieder lohnt der zweite Blick: Natürlich spart Müll, den man nicht hat, Geld. – Mit Recht! Andererseits wird aber auch in die Schulung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, ein konsequentes Monitoring und die stetige Weiterentwicklung des Umweltgedankens investiert. Dabei ist man sowohl in Technik als auch auf Seiten der Natur neuen Innovationen aufgeschlossen.

Zu ebener Erde hat man es sich im Herrenhof zur Gewohnheit gemacht, dezidiert Hybridfahrzeuge anzufordern, wenn ein Gast ein Taxi wünscht. Auf höchster Ebene summen Mitarbeiterinnen ganz anderer Art ums Haus: mitten im ersten Bezirk sind dort sechs Bienenvölker angesiedelt, welche hier emsig ihren Pflichten nachgehen. 2015 erbrachte dies einen Ertrag von satten 520 kg hauseigenem Honig, den man in adretten Gläsern als Souvenir der ganz seltenen Art käuflich erwerben kann. Stolz zeigt Michael Dorfer, Executive Assistent Manager des Herrenhof, neugierigen Gästen das kleine Bieneanwesen am Dach, ein Ausflugsangebot, das man nicht zuletzt wegen des einmaligen Blicks über die Stadt nutzen sollte.

Den Gast könnte das Steigenberger’sche Ökoengagement freilich nicht kümmern. Doch ist davon auszugehen, dass auch jene Menschen, die für ihren angenehmen Aufenthalt in zentraler Lage auch bereitwillig etwas mehr investieren, es gerne sehen, wenn dies so ganz im Vorbeigehen auch noch umweltschonend geschieht. Steigenberger bietet dazu in der warmen Jahreszeit im Übrigen auch noch E-Bikes, mit denen man flott und flexibel die Stadt befahren kann. – Sollte man in Richtung Burggarten radeln, kann es schon sein, dass man eine Steigenberger-Biene dort bei der Arbeit antrifft.

Abgesehen von dieser sehr speziellen „Personal“-sparte verantwortet Steigenberger die Ausbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Übrigen zur Gänze selbst und startet somit die Arbeit an der Umwelt im ganz eigenen Bereich. Bemerkbar ist das an augenscheinlich zufriedenem Personal mit einem hohen Maß an Fachkompetenz und Aufmerksamkeit. Das Betriebsklima scheint sehr gut zu sein. Michael Dorfer benennt es denn auch leidenschaftlich als den wesentlichen Geist dieses Hauses. Flache Hierarchien, abteilungsübergreifende Zusammenarbeit und ein achtsamer Umgang miteinander sind die Basis für jene gediegene Leistung, auf die auch der Gast vertrauen darf, sei es nun beim Frühstücksservice oder im Barbereich, wo sämtliche Drinks vorbildlich kredenzt werden. Die Verantwortung dem Haus und seinen Gästen gegenüber vermittelt sich spürbar.

Nun wird das halt ein Heidengeld kosten. – Nicht wirklich. Zählt man die Faktoren Fünfsternhotel, Servicelevel, Lage/Erreichbarkeit und diverse andere Gimmicks (siehe unten) zusammen, so ist man mit Zimmerpreisen um € 210,00 (Superior) und € 240,00 (Deluxe) pro Nacht gut bedient. Eine Suite ist ab ca. € 510,00 pro Nacht zu haben und ist auf Deluxe-Level mit ca. 70 m2 samt Dachterrasse und Blick über die Stadt noch wohlfeil. Bucht man das Frühstück extra hinzu, kommt das auf € 29,00 pro Person, bucht man es gleich mit, was sich angesichts des grandiosen Angebots empfiehlt, kommt es feilich günstiger.

Man muss wohl wie damals zur Literatenzeit schon ein wenig eintauchen in den Herrenhof, um all die vielfältigen Komponenten seines Angebots zu entdecken. Weil man sich von Seiten des Hauses in der Hinsicht nicht vordrängt, hier ein paar Hinweise:

Schön etwa, dass es im Haus mit Birgit Krenn eine formidable Pâtissière gibt. Sie werkte davor im Steirereck und ihre Kuchen und vor allem der frische Apfelstrudel vom Frühstücksbuffet dürfen gerne als „high end“ empfohlen werden. Auch für kleine Aufmerksamkeiten des Hauses, welche in den Suiten, Stammgästen und solchen, die auch einmal länger bleiben serviert werden, zeichnet sie verantwortlich. So besticht beispielsweise ein liebevoll angerichtetes Ensemble aus Früchten und hausgemachten Makronen am Zimmer nicht nur optisch mit Geschmack.

Ob zur kalten Jahreszeit oder nach einem terminreichen Geschäftstag, Ausgleich bieten im Untergeschoss auf zwei Etagen Fitnessraum und Spa. Neben moderner Gerätschaft findet man hier eine finnische Sauna und ein Dampfbad samt angenehmem Ruheraum, wo Obst und verschiedene Tees bereit stehen. Die Kooperation mit dem Teehaus Ronnefeldt beschert dem Herrenhof den Ruf als Kompetenzzentrum für gepflegte Teekultur und dem Gast eine schöne Auswahl an erlesenem Blattwerk samt fachkundiger Beratung. Absolventen des Ronnefeldt-Ausbildungslehrgangs „TeaMaster Gold“ sind immer am Freitag, Samstag und Sonntagnachmittag im Haus zugegen.

Küchenchef Stefan Schartner widmet sich jeweils im Frühjahr und im Herbst einem Spezialthema. Die persönliche Begegnung mit den Produzenten generiert so einmal einschlägige Angebote etwa rund um Olivenöl oder Lamm und bringt andererseits alle zwei bis drei Monate einen saisonalen Wechsel im allgemeinen Speisenangebot. Wer die Segnungen von Schartners erfahrenem Umgang mit ausgesuchten Zutaten daheim genießen möchte, dem sei schon jetzt ans Herz gelegt, sich rechtzeitig das Angebot „Gans to go“ zu sichern. Zwischen Martini und Dreikönig (11. November bis 6. Jänner) verließen so diesen Winter den Herrenhof mehrere Dutzend Festgänse zum Preis von je € 132,00 für vier Personen (exkl. Liefergebühr), fein säuberlich zubereitet samt Beilagen. – Zu Recht begehrt!

Wer sich in den Fünfsternebereich begibt, kennt die Parameter und hat seine Erwartungen. Checkt man im Steigenberger Herrenhof in Wien ein, so kann man davon ausgehen, dass diese nicht enttäuscht werden. Wer bereit ist einen zweiten Blick zu tun, eröffnet sich gute Chancen in vielen Bereichen einen Mehrwert wahrzunehmen, der es lohnt, über die Wahl seiner Bleibe nachzudenken: Für den Gast ist dies eine angenehm familiäre Atmosphäre samt aufmerksamem aber unaufdringlichem Service. Die Umwelt hat auch was davon ohne dass man auf irgendeinen Komfort verzichten müsste. Im Herrenhof wird mit diesen Vorzüge nicht geprotzt, sie existieren einfach. – Es sei dennoch einmal ganz deutlich darauf verwiesen!

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