hills left
hills right

Haus am (steirischen) Meer

Autor: Christoph Aumüller.  Veröffentlicht am 12.04.2016

ReiseInsider hat sich das "Seehotel Grundlsee" ganz genau angeschaut.

Das Seehotel Grundlsee liegt äußerst idyllisch. © Seehotel Grundlsee Ein wunderbarer Ort zum Relaxen. © Seehotel Grundlsee Zimmer im Seehotel Grundlsee © Seehotel Grundlsee Das Hotelrestaurant. © Seehotel Grundlsee In so einem Seminarraum tagt man wohl gerne. © Christoph Aumüller Der wunderschöne Grundlsee © Christoph Aumüller


Das Ausseerland ist schon ein besonderes Platzerl. Mit seinen idyllischen Seen und den herrlichen Berglandschaften ist der steirische Teil des Salzkammerguts weit über dessen Grenzen hinaus bekannt. Eine Möglichkeit diese prächtige Gegend zu genießen bietet das Seehotel Grundlsee. Als gebürtiger Steirer muss ich von der Schönheit der Grünen Mark eigentlich nicht mehr überzeugt werden, umso kritischer nahm ich das Boutiquehotel am Ufer des gleichnamigen Sees ein Wochenende lang unter die Lupe.

Vorsicht! Auf den letzten Kilometern zum Hotel wird es immer schwieriger sich auf die Straße zu konzentrieren, so sehr lenken Berge, Wälder und Häuser ab. Alles harmoniert. Es gibt einfach kein Gebäude – ob Haus, Hof oder Stall – das nicht in einem schönen Zustand ist. Die Ausseer sind stolz auf ihre Heimat und das kannst du spüren. Auch der Holzbau des Seehotels gliedert sich perfekt in die Umgebung ein, jedoch wirkt das Haus straßenseitig recht unauffällig. Aber vielleicht möchte es auch nicht vom See und den Bergen ablenken. Ist auch schwierig. Und wahre Schönheit kommt ohnehin von innen. Das trifft wunderbar auf das Vier-Sterne-Seehotel zu und wird dir sofort bestätigt, wenn du das Haus betrittst und das Holz im Kamin der Lobby knistern hörst.

Ist es das freundliche Personal, die angenehme Atmosphäre des Holzbaus oder das puristische Design mit traditionellem Touch? Ich weiß es nicht genau, aber du fühlst dich sofort wohl. Das Team freut sich dich zu sehen und wenige Minuten nach der Ankunft denkst du dir „Warum bin ich eigentlich nicht öfters hier?“ – und das sogar beim ersten Aufenthalt im Haus. Durch das Team rund um Gastgeberin Eva Maria Ott fühlst du dich nicht als gewöhnlichen Hotelgast. Im beschaulichen Haus mit nur 17 Zimmern fühlst du dich wie ein Familienmitglied, das nach längerer Zeit wieder einmal auf Besuch zu Hause ist. Das Seehotel ist kein 5-Sterne-Haus und bietet auch keinen konventionellen Luxus á la Goldschnickschnack und weißen Servierhandschuhen. Das braucht es auch nicht. Es bietet einen Wohlfühlluxus, wie du ihn dir in einem kuscheligen Boutiquehotel am romantischen See vorstellst.

Diesen bekommst du beim Betreten des Zimmers so richtig zu spüren. Angefangen beim großzügigen Platz bietet das Zimmer alles Notwendige für ein tolles Wochenende und darüber hinaus. In unserem Zimmer befand sich die Badewanne offen direkt neben dem Bett – klingt zauberhaft, ist es auch. Ein Schreibtisch - darunter die Minibar - teilt das Schlaf-/Badewannenzimmer vom Wohnzimmer mit bequemer Couchecke und französischem Balkon. Die Couch kann übrigens zu einem Zusatzbett für Kinder umgewandelt werden. Das Standardinventar der Zimmer beinhaltet die Minibar gefüllt mit hochwertigen Produkten, eine Nespresso-Maschine, eine Teebar, eine großzügige Auswahl von Info-Heften über das Ausseerland und von Magazinen aus dem RB-Mediahouse, TV, Telefon, Safe und ausreichend Platz in Schrank und Regalen. Zusätzlich zur Badewanne direkt im Zimmer gab es ein auch geräumiges Bad mit Dusche, WC und einem Waschbecken – mit dem übrigen kleinen feinen Standardinventar (Seifen, Shampoos, Cremen, etc.). Das Highlight unseres Zimmers? Der Ausblick! Von der Couch! Oder doch vom Balkon? Oder vom Bett? Oder aus der Badewanne! Wahrscheinlich alles zusammen! Übrigens bietet nur eines von 17 Zimmern keinen Seeblick – das Bergpanorama tröstet darüber aber hinweg.

Passend zum Wohlfühlluxus in den Zimmern, bietet das hauseigene Restaurant Seeplatz’l eine Küche auf Haubenniveau. Zu Mittag und am Nachmittag gibt es jeweils eine Standardkarte mit einzelnen Köstlichkeiten. Die Karte am Abend besteht aus drei zusammengestellten Menüs aus denen die Gänge auch einzeln bestellt werden dürfen und du so ein persönliches Menü basteln kannst. Die Gerichte und Menüs, welche saisonal angepasst werden, sind geschmacklich hervorragende Kombinationen von traditioneller und moderner Küche. Die Zutaten sind selbstverständlich regional und vom bekannten Bauern und Fischer um die Ecke. Mein persönliches Highlight waren neben der Maronicremesuppe die gebackenen Mohnpalatschinken als Dessert. Das Fisch-Menü kann ich natürlich auch nur empfehlen. Und mein Tipp: unbedingt die Gerichte mit der empfohlenen Weinbegleitung genießen! Die ausgezeichnete Küche wird vom tollen Ambiente und dem Panorama perfekt abgerundet.

Das Frühstück ist ein Spiegelbild des Hauses – einfach und modern, regional, frisch und geschmacklich hervorragend. Auf ein üppiges Buffet wird verzichtet, stattdessen wird nach dem Platznehmen gleich eine Etagere mit den wichtigsten Frühstückszutaten serviert. Auf der obersten Etage eine kleine feine Auswahl von Schinken, Wurst und Käse. In der Mitte befindet sich das obligatorische hausgemachte Bircher-Müsli und die tägliche süße Komponente - bei uns einmal eine Fruchttopfencremé und am zweiten Tag ein Fruchtjoghurt -, während auf der untersten Platte die Obst-Selektion des Tages aufwartet. Dazu gibt es immer einen belebenden Smoothie und ein Gläschen frisch gepressten Orangensaft. Das gewünschte Heißgetränk und die gewollte Art des Frühstücks-Ei - weich, hart, Spiegel, gerührt, etc. - werden per Bestellung aufgegeben. Ein kleines Buffet bietet eine Auswahl von Gebäck und Brotvariationen, Butter, verschiedene köstliche Marmeladen – das meiste hausgemacht oder zumindest vom regionalen Bauer. Und für die Müsli-Fans auch noch eine ordentliche Auswahl von knusprigen Körnchen, Flocken, Milch und Joghurt. Ist die Etagere leergegessen oder möge es etwas Gemüse zum perfekten Spiegelei sein, kann jederzeit beim Frühstücksteam nachbestellt werden. Besser kann ein Tag am See nicht starten!

Der Grundlsee ist übrigens der größte See der Steiermark und hat so auch den Beinamen das Steirische Meer bekommen. Als ich das meiner Freundin erzählte, meinte sie sofort: „Eh klar, ihr Steirer braucht natürlich auch ein eigenes Meer“ – Ja, sowieso! Und so nebenbei ist es auch noch wunderschön! (Sie kommt übrigens aus NÖ und ist eh nur neidisch).  So schön, dass du am liebsten alles auf einmal machen willst – reinhüpfen, befahren, rundherum laufen oder einfach nur bestaunen. Und während des Austüftelns eines Aktivitätenplans verlierst du dich im wohl kitschigsten Panorama überhaupt. Zumindest ging es uns so und die Couch im zimmereigenen Wintergarten machte das ganze nicht leichter.
Einen Fitnessraum gibt es nicht – der erste Kritikpunkt? Negativ! Die wunderbar kitschige – im positiven Sinne - Kulisse mit See und Gebirge verleitet sogar den Unsportlichsten sofort einen Triathlon in Angriff nehmen zu wollen, oder den nächsten Berg zu besteigen um auf zwei Bretteln wieder runter zu wedeln. Das könntest du übrigens wirklich alles tun. Der rund 14 Kilometer lange See lädt mit seinen Wegen rundherum zu langen Spaziergängen und ausgiebigen Jogging-Touren ein. Und im Zeitalter des Crossfits – das Trainieren ohne Geräte - benötigen wir sowieso nur Bäume, Bänke und den eigenen Körper. Und Bäume und Bänke gibt es im Ausseerland zur Genüge. Oder du borgst dir ein Radl vom hauseigenen Fahrradverleih aus. Im Sommer eignet sich der See mit bis zu 25°-kalten oder eigentlich schon warmen Wasser herrlich zum Baden und Schwimmen und sogar zum Tauchen. Für die Wintersportfreunde bietet sich das Skiresort Loser Altaussee hervorragend an, das nur rund 12 Kilometer oder eine 20-minütige Autofahrt vom Grundlsee entfernt liegt.

Zusammenfassend fällt ein fehlender Fitnessraum wahrscheinlich niemandem auf. Und zur Regeneration gibt es ja dann den hoteleigenen Wellness-Bereich. Mit dem Saunakorb, der bereits bei Ankunft mit Handtücher und Badeschlapfen im Zimmer bereitsteht, geht es schnell bei der Rezeption vorbei in den kurzen Holz-Glas-Gang und schon bist du in der Seesauna. Täglich von 14:00 bis 21:00 Uhr – und auf Wunsch auch früher (oder später) – lässt es sich fabelhaft in einer Bio-Kräutersauna oder in der Zirben-Infrarotkabine entspannen. Das Highlight ist aber die finnische Sauna mit Glasfront und dem unvergleichlichen Ausblick auf See und Berge. Bei dieser Aussicht merkst du die 90°C fast nicht – fast! Auch vorbeischwimmende Enten und Schwäne lenken dich von der angenehmen Hitze ab. Und zur Abkühlung kann diesen auch direkt gefolgt werden. Vom Saunabereich geht es direkt über eine Plattform zur Stiege und in den See – oder eben ohne Stiege. Bei uns war der See zwar nicht zugefroren, aber 5°C waren mir persönlich doch zu kalt und die Einreibung mit Schnee hat auch für Abkühlung gesorgt. Zwischendurch erholst du dich mit fast schon gewohntem Seeblick auf den bequemen Ruheliegen – wobei diese grandiose Aussicht alles, nur nicht gewöhnlich ist! Daneben gibt es auch eine große komfortable Couchecke. Und zur Erfrischung dient eine kleine feine Teeküche mit getrockneten Früchten.

Rund um und auf dem See gibt es so einiges zu erleben – nicht nur auf sportlichem Wege. Zum Entdecken der Gegend eignet sich wunderbar eine Fahrt über den See mit einer traditionellen Plätt’n. Diese wird von Mai bis Oktober vom Seehotel angeboten und wir kamen deswegen leider (noch) nicht in den Genuss eines Plätt’nfrühstücks oder der Gourmetplätt’nfahrt – nur zwei der vielen Gründe für mich zum Grundlsee zurückzukehren. Ein weiterer Grund ist die 3 Seen Tour – mit dem Schiff geht es direkt vom Seehotel über den Grundlsee nach Gößl, von wo eine idyllische Wanderung zum  Toplitzsee führt und von dort mit einer Plätt’n in Richtung Kammersee. Da die Schifffahrt im Winter eingestellt ist, konnten wir die Seen nur als Fußgänger erkunden. Die vielen Wege bieten sich auch im Winter bestens für Spaziergänge an. Dabei kann gleich einmal das beschauliche Örtchen Grundlsee betrachtet werden oder am anderen Ende des Sees das Dorf Gößl. Und ist der kurze Spaziergang doch zu einer kleinen Wanderung geworden genügt ein Anruf im Seehotel und du wirst vom Team abgeholt und zurück nach Hause gebracht.

Ein weiterer Tipp ist die Fischerhütte am Toplitzsee. Da dieser in der Region gar nicht geheim ist, sollte unbedingt ein Tisch für den Abend reserviert werden, egal ob zur Sommer- oder Winterzeit. Neben der ausgezeichneten Fischkarte und der einzigartigen Atmosphäre bietet die Hütte auch eine interessante Ausstellung zu den geheimnisumwobenen Schätzen am Grund des Toplitzsees. Und selbstverständlich muss ich das Narzissenfest noch erwähnen – wohl das kulturelle Highlight des Jahres im Ausseerland. Am 29. Mai 2016 ist es wieder soweit und fantasievolle Figuren und die Narzissenhoheiten können beim traditionellen Blumenkorso bestaunt werden – früh buchen lohnt sich!

Aber im Ausseerland wird nicht nur Urlaub gemacht sondern auch gearbeitet. So kannst du auch im Seehotel Grundlsee nicht nur deine Seele baumeln lassen, sondern es bietet sich auch herrlich als Location für außergewöhnliche Arbeitsstunden an. Im Pavillon am See befindet sich ein moderner Seminarraum mit Platz für bis zu 12 Personen. Top ausgestattet mit Beamer, Leinwand, Flipchart, etc. eignet sich dieser ausgezeichnet für Meetings und Workshops mit einem traumhaften Seepanorama. Leider – oder glücklicherweise – konnte ich das Arbeiten im Pavillon nicht persönlich testen, aber der Ausblick hat mich bei der Besichtigung schon überzeugt. Der Pavillon am See kann übrigens auch für Feiern aller Art genutzt werden – von der Hochzeit über Geburtstagsessen bis zum romantischen See-Candel-Light-Dinner. Übrigens gibt es für die ganz eifrigen Gäste freien W-LAN-Zugang im gesamten Haus – zeitgemäß eben.

Es sind die Details und die kleinen Dinge, die das Haus zu etwas besonderem machen. Wie die Fotos auf dem Gang, die auf die Geschichte und lange Tradition des Ausseerlands hinweisen. Wie überhaupt die Harmonie von modernem Design mit regionalem Brauchtum, wie die zuvorkommende Belegschaft gekleidet in hübscher Ausseer Tracht. Das Seehotel Grundlsee passt einfach perfekt in die idyllische Gegend des Ausseerlands. So wie Inventar, Service, Sauberkeit und Angebot passen. Und das i-Tüpfelchen liefert die Gastgeberin in Person. Eva Maria Ott leitet das Seehotel zwar erst seit letztem Herbst, aber in den herzlichen Gesprächen mit ihr merkst du wo diese Liebe zum Detail herkommt.

Ein günstiges Vergnügen ist der Aufenthalt im Sternehaus am Steirischen Meer wahrscheinlich nicht. Aber du bekommst dafür eben mehr als nur ein Hotelzimmer geboten, alleine wenn ich nur an den Ausblick denke, oder die Badewanne mit den hochwertigen Badezusätzen, die flauschigen Decken und Pölster, die Atmosphäre im Zimmer, das herrliche Frühstück, die Panorama-Sauna, das herzliche Team, das Steirer-Menü, oder die Ausseer Frischluft, ...

...und jetzt ist das eingetroffen, was ich befürchtet hab’ – aus einer objektiven, kritischen Recherche wurde eine reine Schwärmerei!

Connect

FacebookTwitterRSS