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Malta: Insidertipps abseits der Tourismuspfade

Autor: Martin Dichler.  Veröffentlicht am 06.03.2017

Die Mittelmeerinsel bietet weit mehr als die bekannten touristischen Sehenswürdigkeiten.

So viele Biergläser und -deckel findet man sonst nicht so bald. © Martin Dichler Die Festung Valletta. © Martin Dichler Das Parlament des Inselstaates in der Hauptstadt Valletta. © Martin Dichler Früher der Flughafen-Tower, jetzt der Hof des Weingutes Meridiana. © Martin Dichler Der Wein von Meridiana spielt aller Farben: Weiß, Rosé und Rot. © Martin Dichler

Knapp zwei Flugstunden von Wien entfernt liegt die Mittelmeerinsel Malta. Der knapp 430.000 Einwohner zählende Inselstaat, der seit dem Jahr 2006 auch Vollmitglied der Europäischen Union ist, kann auf eine große Geschichte zurückblicken.

Egal wohin man auf der Insel blickt, die Zeichen des Malteserordens, der Ritterorden der sich im Jahre 1530 auf die Insel niederließ, sind auch heute noch überall erkennbar und prägen das Gesicht der Insel. Die Hauptstadt Valletta - benannt nach dem 49. Großmeister des Malteserordens - zeigt sich heute noch in ihrer vollen Pracht. Zahlreiche Paläste und Kirchen sind stumme Zeitzeugen der großen maltesischen Geschichte. Bei einem Spaziergang durch die schattigen und teilweise sehr engen Gassen, kann man auch bei hochsommerlichen Temperaturen gemütlich die Stadt erkunden. Zahlreiche Lokale und Restaurants entlang der uneinnehmbar zu scheinenden Stadtmauern laden zum Verweilen ein.

Bierdeckelmuseum
Und obwohl pro Jahr mehr als 1,8 Millionen Touristen die Insel mit ihren zahlreichen Touristenattraktionen besuchen, bietet sie immer noch die eine oder andere Überraschung. Nur unweit der Fußgängerzone lässt sich beispielsweise in den Ausstellungsräumen von Peter Spiteri die eine oder andere Sammler-Kuriosität entdecken. Der Pensionist sammelt trägt seit mehr als 30 Jahren Biergläser, Kaffeetassen und Bierdeckel aus der ganzen Welt zusammen. Inzwischen umfasst seine Sammlung mehrere tausend Stück und rein aus Freude an seinem Hobby stellt er seine persönlichen Schätze in einem Ausstellungsraum am Ende der Triq-Ir Repubblika (126, Republic Street, Valletta) aus. Peter Spiteri freut sich über jeden interessierten Besucher und erzählt gerne bei einem gemeinsamen Bier über die Geschichte wie es zu seiner Leidenschaft gekommen ist. Natürlich werden auch kleine Spenden oder neue Sammlerstücke gerne angenommen!

Malta ist aber nicht nur für seine historische Inselhauptstadt bekannt, sondern auch für den Ruf als bekannte Party- und Urlaubsinsel. Der Tourismus spielt eine besondere Rolle in Malta, erwirtschaftet diese Einnahmequelle doch fast 40 Prozent des gesamten Bruttoinlandsproduktes (1,643 Milliarden Euro). Mehr als 1,8 Millionen Touristen (+5,4 Prozent Zuwachs im Vergleich zu 2014) besuchten im Jahr 2015 die Mittelmeerinsel. Alleine 20.000 Menschen arbeiten direkt im Hotel & Gastronomiegewerbe vom Tourismus. Nutznießer dieser guten Entwicklung ist nicht nur die Wirtschaft des Landes, sondern auch der Flughafen Malta, der im vergangenen Jahr einen Passagierzuwachs von 10 Prozent (5.080.071 Passagiere) verzeichnen konnte. 97 Prozent aller Touristen gelangen mit dem Flugzeug auf die Insel, wobei hier gerade die Besucher aus Italien, Großbritannien und Deutschland den größten Anteil stellen.
Motor ist dabei sicherlich der Low Cost Verkehr, Ryanair hat inzwischen den Homecarrier Air Malta bei der Zahl der beförderten Passagiere abgelöst und weitere Billigfluglinien drängen in den Markt.

Flugzeuge und Wein
Wer Ruhe und Entspannung abseits der Partyzonen sucht, wird auch in Malta ganzjährig fündig. Eine dieser Oasen der Ruhe, liegt am Gelände des ehemaligen Flughafen Ta`Qali. Kurz vor Ausbruch des zweiten Weltkriegs wurde das militärische Flugfeld, welches ursprünglich auch zivilen Verkehr auf seiner Graspiste abwickelte, seiner Bestimmung übergeben. Im Jahr 1940 wurde das Flugfeld zum RAF Stützpunkt.

Die britische Armee verteidigte während des zweiten Weltkrieges die Insel erfolgreich gegen eine Besetzung durch Nazideutschland. Nach dem Ende des Krieges wurde der Flugplatz noch für einige Jahre als RAF Trainingsflugplatz verwendet, bevor man ihn im Jahre 1963 wieder an seinen ursprünglichen Besitzer, den maltesischen Staat, retournierte. Im April 1968 wurde der Betrieb schlussendlich aufgegeben und das Gelände als Veranstaltungsfläche genutzt. Heute befindet sich auf dem aufgelassenen Flughafengelände, nicht nur ein Modelflugverein, sondern auch das Malta Aviation Museum. Das Museum bietet eine kleine Auswahl an Militärflugzeugen, aber auch eine C-47 Dakota und das Cockpitsegment einer BAC 1-11. Das Malta National Stadion wurde ebenfalls auf dem ehemaligen Flugplatzgelände im Jahr 1980 errichtet und bietet als größtes Sportstadion des Landes, 17.000 Sitzplätze.

Wer auf der Suche nach einem besonderen Ausflugsziel abseits der Tourismusströme ist, dem sei ein Besuch im Weingut Meridiana Wine Estate ans Herz gelegt. Im Jahre 1994 wurde auf dem Gelände des ehemaligen Militärflughafens dieses kleine aber feine Weingut gegründet. Inzwischen zählt Meridiana mit seiner Anbaufläche von 19 Hektar zu den größten Weinproduzenten der Insel. Das Unternehmen hat es sich zum Ziel gesetzt, Qualitätsweine der Marken Chardonnay, Cabernet Sauvignon, Merlot, Rose und Shyrah für den lokalen Markt zu produzieren. Nur wenige der jährlich mehr als 140.000 produzierten Flaschen, gehen in den Export in Nischenmärkte wie Österreich, Deutschland, Singapur, Hongkong oder die Vereinigten Staaten.

Interessierte Besucher können im Rahmen einer geführten Tour das Weingut kennenlernen. Um preisgünstige 10 Euro (Stand: September 2016) pro Person erhält man einen Einblick in die Weinherstellung und die Geschichte des Unternehmens. Im Anschluss an die Führung kann man die Produkte des Herstellers natürlich im gemütlichen Ambiente verkosten. Ingrid Cefai (Meridiana Wine Estate Event & Administration) nimmt sich gerne Zeit für den Besucher und erzählt von dem geschichtsträchtigen Ort. So erfährt man, dass ein Teil des heutigen Vierkant Winzerhofes, aus dem ehemaligen RAF Tower des Flugplatzes besteht und nur wenige Gehminuten von den blühenden Weingärten entfernt, man noch die Überreste der früheren Betonpiste sehen kann.

Die Mittelmeerinsel bietet seinen Besuchern eine Vielzahl an Sehenswürdigkeiten. Durch das milde Wetter lädt Malta ganzjährig zu einem Besuch ein und gerade in der Nebensaison besticht die Insel durch ihren familiären Charme. Wer sich etwas Zeit nimmt und die Insel auf eigene Faust erkundet, findet auch heute noch abseits der Tourismusströme, interessante Orte, die es zu entdecken gibt.

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