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Rijeka – Ankommen zum Ankommen

Autor: Gregor Faistauer.  Veröffentlicht am 06.09.2015

Die drittgrößte Stadt Kroatiens und ein ganz spezielles Hotel im ganz persönlichen Portrait.

Der Hafen von Rijeka mit dem Botel auf der linken Seite. © Tourismusverband Rijeka Das Botel von außen. © Gregor Faistauer Die großzügige Rezeption. © Gregor Faistauer Charmantes und schönes Rijeka. © Tourismusverband Rijeka

Rijeka hat keinen Strand. Die Hafenstadt, deren Namen jeder kennt, kämpft seit Jahren um jene touristische Gunst, die unweit gelegenen Destinationen wie Opatja oder den Inseln Krk und Cres von Natur aus gegeben ist. Anlanden tun hier viele, doch bleiben...

Über ein Angebot auf booking.com kam ich auf das "Botel Marina", verbrachte einen Tag in Kroatiens drittgrößter Stadt und kann einen guten und günstigen Ausgangspunkt für Ausflüge und Badetrips sowie eine recht außergewöhnliche Unterkunft vermelden.

Die Geschichte als bedeutende Hafen- und Habsburger-Stadt sowie den Zuschlag an Italien nach dem Wiener Kongress kann man noch allerorten verspüren. Breite Bolevards in der Innenstadt, rechts und links bieten sich Cafés und Restaurants an, und mindestens ebenso breit angelegte aristokratische Herrenhäuser zeugen von dem einen, die Omnipräsenz der Italienischen Sprache vom anderen.

Auf der Rückreise von Istrien machte ich Station in Rijeka. Wenn man nur eine Nacht zu verweilen gedenkt, so schaut man doch gern auf den Preis und so buchte ich ein Einzelzimmer im "Botel Marina" (laut booking.com 15 qm inkl. Dusche/WC) für 48 Euro inkl. Frühstück. Einen Parkplatz quasi vor der Luke konnte ich – wie ich per kurzfristiger online-Nachfrage erfuhr – für 5 Euro pro Tag hinzureservieren.

Ein Schiff wird zum Hotel, pardon - Botel
Nun muss man wissen, dass wir uns hier auf einem Schiff befinden, welches 1936 seinen Dienst in Skandinavien unter dem Namen "Kronprinzessin Ingrid" aufgenommen hatte. Nach manchen Umwegen und unter verschiedenen anderen Namen tat es 2005 seine letzte Fahrt und gelangte nach Rijeka, wo es 2011 endgültig vertäut und 2013 ausführlich renoviert bzw. zum schwimmenden Hotel umgestaltet wurde. Dies geschah sehr sorgsam und mit Respekt der alten Dame gegenüber. So sind neben den für Schiffe üblichen "Accesoires" halt auch ein generöser Salon, die üblichen Treppen und Luken, sowie Raumhöhen geblieben. Von der Rezeption nach oben muss man sich ohnehin etwas bücken und wer über 1,90 m groß ist, muss das Restaurant auch demütig gebeugt beschreiten. Der Aufenthalt hier lohnt sich dennoch in mehrfacher Hinsicht sehr.

Bucht man "Botel Marina", so erwartet einen hiermit nicht die Weitläufigkeit bekannter Nobelabsteigen, dafür ist man aber auch zuverlässig vor der Austauschbarkeit sogenannter "Designerhotels" gefeit. Mein Einzelzimmer hatte tatsächlich die angegebene Fläche – nicht mehr und nicht weniger – und der Weg vom Schlaf- in den Hygienebereich weist auch nach wie vor die Kajüten eben so eigene zehn Zentimeter hohe Schwappkante auf, um bei Seegang jede überflüssige Überflutung zu vermeiden. Im Zimmer verbinden sich Zweckmäßigkeit, Liebe zum Detail und Realitätssinn den baulichen Tatsachen gegenüber ziemlich genial. Es ist wirklich nicht viel Platz und die Verwinkelungen historischen Schiffsbaus lassen eben nicht große architektonische Kapriolen zu. Selten habe ich es erlebt, dass derart klug aus der Not eine Tugend gemacht wurde. Doch es ist alles da, was man braucht. Hand- und Bodentücher wie überall, ein Seifenspender wirkt vielleicht etwas spartanisch, aber da bleibt die Frage, was man denn nun wirklich unbedingt braucht (auch angesichts des Preises!).

Deck 2 klingt für den Newcomer gut. Wer weiß, dass vom Boden des Schinackels aus gerechnet wird, den überrascht es nicht, dass sein Zimmerfenster ein wohl abzudichtendes Bullauge ist, aus dem nicht der weite Ozean, sondern unterwegs bestenfalls etwas über die Wasserlinie und im wie hier fest vertäuten Fall halt grade einmal die Kante des Hafenbeckens zu sehen ist (an der Stelle sei – bitteschön – wieder einmal auf den korrekten Preis verwiesen!).

Das Schiff bietet ein vielfältiges Zimmerangebot. Zwischen Einzelzimmer und Schlafsaal (max. 6 Personen) ist viel drin. 35 Zimmer – alle mit Dusche/WC – gibt es insgesamt, allen gemein ist eine hohe Verpflichtung hinsichtlich der Zweckmäßigkeit. Das bezieht sich auch auf eine anständige Zahl an Steckdosen und den allseits und unkompliziert kostenlos verfügbaren W-Lan-Zugang. TV gibt es in allen außer den Gruppenzimmern. Betrachtet man die Bilder auf der Website, so kann man das Gefühl kriegen, dass die Schreibtische nur 40 cm tief sind. Das trügt nicht, sie sind wirklich sehr überschaubar und es gibt auch nur einen Hocker statt eines Sessels. Aber der ist gut und versieht seinen Dienst angesichts des allgemeinen Platzangebots sehr ordentlich.

Im Zusammenhang mit den baulichen Gegebenheiten des Kahns ist die Frage nach der Zugänglichkeit für Menschen, die bewegungsmäßig eingeschränkt sind, natürlich angebracht. Gegen Voranmeldung können Zimmer auf Deck 3 reserviert werden, die gut zugänglich sind, die Treppen zu den Zimmern auf Deck 2 sind jedoch in dem Fall recht beschwerlich. Lift gibt es jedenfalls keinen und auch Restaurant und Bar sind dann eher mühsam oder gar nicht zu erreichen. Eltern mit recht kleinen Kindern sollten bedenken, dass die Möglichkeiten irgendwo hinunterzupurzeln für die ganz Jüngsten hier vielfältig sind. Für etwas größere Kinder ist die Absteige jedoch gewiss abenteuerlich.

Schlafen tut sich’s hier im Übrigen ausgesprochen ruhig, ob ein leises Schaukeln Einbildung, Konsequenz aus dem abendlichen Barbesuch oder tatsächlich dem Meer geschuldet ist, muss dann jeder für sich entscheiden.

Auf Deck 4 gibt es ein Restaurant, in dem gut und wohlfeil gekocht wird. Fleisch und Fisch geraten formidabel. Beilagen und Salat gehören eventuell nicht zur Grundleidenschaft des Kochs, wenn aber Fisch derart solide zu Tisch gelangt, so ist alles außer Brot ohnehin nur Verstörung. Es ist wirklich sehr schade, dass es im Restaurant keinen Außenbereich gibt, aber auch das soll verziehen sein, wenn man für ein sehr gediegenes Abendessen samt zwei Getränken mit 15 Euro pro Person gut wegkommt.

Ebenso wie im Restaurant wird in der Bar auf Deck 5 eine sehr ansprechende Getränkeauswahl zum guten Preis geboten. Die Bierauswahl umfasst neben dem lokalen leider etwas faden Fassbier auch ein vollmundiges tschechisches (Staropramen) wie auch österreichisches (Hirter) Bier. Die offenen Weine sind allesamt so ordentlich wie günstig. In Kroatien werden die Weine in der Karte in 0,1 Liter oder 1 Liter angegeben, "ein Glas" ist immer 0,2l. Das ist zwar nicht unser gewohntes Viertel, aber in ordentlicher Qualität ist man für „das Glas“ unter € 3,00 sehr gut bedient. Auch die Flaschenweinauswahl ist solide und mit Preisen zwischen € 10,00 und € 20,00 pro Bouteille (man kann – wenn man denn will – auch mehr ausgeben) durchaus ansprechend.

So auch das Personal. Vom Checkin bis zur Abreise ist Dienstleistung hier groß geschrieben. Es mag einem bei der Ankunft noch etwas viel erscheinen, was einem die Dame an der Rezeption alles erzählt, doch lernt man die Vorzüge des Hauses – pardon: Schiffs natürlich – und seines freundlichen Personals sehr bald schätzen.

Als einziger Einbruch sind Teile des Frühstücks zu verzeichnen. Der am Buffet angebotene Filterkaffee ist wahrhaftig eine schmerzliche Angelegenheit und der Orangensaft mutet an wie verwässertes Fanta ohne Kohlensäure. Bedauerlich, dass der Ober die Anlieferung von Espresso gegen Aufpreis verweigerte. Rührei, Gebäck, Käse, Wurst etc. entprechen der Low-Budget-Kalkulation und setzt man die Erwartungen hier nicht darüber an, so wird man nicht enttäuscht sein. (So sich die Getränkesituation nach Rückmeldung ändern sollte, bedankt sich die Redaktion jetzt schon für entsprechenden Hinweis.)

Anlanden in Rijeka
Um aber an den Beginn der Geschichte zurückzukehren: Warum sollte man also hier anlanden? – Anlanden! – Ja, genau dazu! Rijeka ist eine umtriebige Stadt, die Gemeinde arbeitet intensiv daran, die Infrastruktur gut zu gestalten, es gibt einige Museen und ein Stadtzentrum mit großzügiger Fußgängerzone und vielfältigem gastronomischem Angebot. Von Seiten der Stadt wird hier auch kostenloses W-Lan angeboten, dazu ist Rijeka noch merklich günstiger als andere touristische Zentren Kroatiens.

Rijeka ist ein guter Ort um in diesem Land anzukommen. Hier kann man sich orientieren und die geografische Lage bietet einen idealen Ausgangspunkt, um das Land weiter zu bereisen. Ob man von hier aus die unweit gelegene Brücke nach Krk oder die Fähre nach Cres nimmt, sich in Richtung Dubrovnik/Split oder nach Istrien aufmacht, Rijeka liegt hierfür zentral. Ist man mit eigenem oder Leih-Wagen unterwegs, hat man bei mehrtägigem Aufenthalt auch die Chance, je nach Geschmack, Laune, Neugier und Witterung verschiedene Ziele in angenehmer Distanz zu erreichen.

Das "Botel Marina" kann dazu seinen ihm eigenen charakteristischen Beitrag im Sinne von Aufbruch und Tapetenwechsel leisten, mit viel Charme und einem gutem Angebot, das man sich auch noch ganz gut leisten kann.

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