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Rund ums Tigra

Autor: Gregor Faistauer.  Veröffentlicht am 08.12.2016

Nach einem ersten Einblick in das so aufwändig wie gefühlvoll sanierte „Tigra“ in Wien Anfang des Jahres, besuchten wir das Haus erneut um auch die Umgebung etwas zu erkunden.

"Das Tigra" von außen. © Das Tigra Ein Doppelzimmer der Superior-Kategorie. © Das Tigra Musikalische Anklänge im "Tigra". © Das Tigra

Die Auswahl des Hotels richtet sich ja längst nicht mehr nur nach dem angebotenen Komfort, ordentlichen Zimmern und allfälligen Sternen. Dies beweisen die deutlichen Veränderungen der einschlägigen Buchungsportale in den vergangenen Jahren eindrücklich mit ihren erheblich erweiterten Suchoptionen. 

Sucht man in Wien eine anständige Bleibe und wünscht sich neben zentraler Lage auch die Kultur in der Nähe zu haben, so hat man gute Chancen in „Das Tigra“ zu geraten. Betritt man das Viersternhaus, so befindet man sich – schon allein städtebaulich gesehen – auf historischem Boden. Wo noch heute eine tiefe Furche den ersten Bezirk durchzieht, lag dereinst ein Bachbett, welches jedoch auch nach der Umleitung des Gerinnes nicht zugeschüttet wurde. Daher verwundert es auch nicht, dass die Fassaden der klassizistischen Gebäude hier noch höher aufzuragen scheinen als dies Wiens Herrenhäuser ohnehin tun.

Zwischen solchen also führt und prägt Direktorin Christina Steinkellner das Tigra seit sechs Jahren und bietet – nicht ohne Stolz und auch völlig zu Recht – ein sehr sauberes Haus an. Die im Frühjahr noch nicht ganz geschaffte Barrierefreiheit ist nun – für ein denkmalgeschütztes Haus gar nicht so einfach zu bewerkstelligende – Realität. Bei entsprechender Voranmeldung kann also bei Bedarf eines jener Zimmer gebucht werden, die mit der notwendigen Bauweise und Ausstattung versehen sind. Da ist einmal räumliche Großzügigkeit, viel Platz im Bad und eine Duschfläche. Stützen bei der Toilette können auch angebracht werden. Für Notfälle gibt es einen Notknopf und automatische Türöffner. Dass es noch eine Stufe beim Eingang gibt, liegt nicht in der Verantwortung des Hotels, sondern an den städtebaulichen Planungen, aber eine mobile Rampe steht jederzeit bereit.

Dazu wird vom Hotel auch gerne ein Abholservice von Flughafen oder Bahnhof organisiert, der neben dem üblichen Taxiservice auch auf die Bedürfnisse physisch eingeschränkter Personen eingerichtet ist.

Darauf kann man auch im Hotel vertrauen. Frau Steinkellner legt Wert auf gut ausgebildetes hauseigenes Personal. Bei einem Mitarbeiterstand von 34 Leuten sind auch drei Pagen drin und Wartezeiten beim Empfang selten.

An der Rezeption herrscht rund um die Uhr freundliche Ruhe und aufmerksame Organisiertheit. Dass die Zeiten vorbei sind, wo der Gast um jede Information extra nachfragen musste, nimmt man auch hier angenehm wahr und erfährt alles über Internet (verlässlich und flott), Frühstück (dazu später) und Tipps in der Umgebung.

Denn vom Tiefen Graben aus hat man nicht weit zu kulturellen Einrichtungen aus allen Jahrhunderten. Fußläufig ist man in wenigen Minuten im Jüdischen Viertel mit Synagoge und dem Schoa-Mahnmal der Künstlerin Rachel Whiteread. Geht man vom Tigra linker Hand zur Freyung, findet der Freund zeitgenössischer Kunst dort das Kunstforum Wien, nebenan das Schottenstift und etwas weiter liegt mit dem Café Central im Palais Ferstel ebenso eine repräsentative Destination Österreichischer Kultur. Das heute nach wie vor sehenswerte Ambiente schätzten unter anderem schon Sigmund Freud, Franz Kafka, Artur Schnitzler, Adolf Loos, Robert Musil und Stefan Zweig. Dieser Abstecher lohnt allemal. – Reservierung ist aber dringend empfohlen!

Fünf Minuten trennen einen zu Fuß vom Michaelerplatz mit Hofburg und Spanischer Hofreitschule. Zum Stephansplatz ist es auch nicht weiter und wer schon einmal dort ist, hat mit der U-Bahn beste Anbindung in den ganzen Rest von Wien.

Die nähere Umgebung bietet gastronomisch einiges: Hotelchefin Steinkellner empfiehlt den Weg in die Passage des Palais Ferstel, in der man neben einem Schokoladenkontor mit gefährlich attraktivem Sortiment auch eine der feinsten Adressen französicher Küche in Wien vorfindet. Im „Beaulieu“ [http://www.beaulieu-wien.at/] gibt es täglich zu Mittag für € 9,50 eine ausgezeichnete „Plat du jour“, für drei Euro mehr gibt es Suppe oder Salat dazu. Noch vier Euro drauf und man genießt für € 16,50 ein formidables Mittagsmenü. Im Sommer lockt ein schöner Innenhof, die Fischsuppe ist laut Frau Steinkellner legendär.

Schräg gegenüber lädt die „Vulcanothek“ [http://www.vulcanothek.at/] zu feinstem Wein und Schinken, ein Genuss, den man sich vor oder nach einem abendlichen Theater- oder Konzerterlebnis gönnen sollte.

Wer es lieber gestanden Wienerisch hat, dem sei die Gastwirtschaft Stopfner am Rudolfsplatz ans Herz gelegt. Von da ist es nicht weit zum Donaukanal, wo man am Abend noch geruhsam spazieren gehen oder zu morgendlicher Stunde auch Frau Steinkellner beim Joggen antreffen kann. 

Zieht es einen doch eher in Richtung Schlafstatt, so ist die hauseigene Bar des Tigra für Hotelgäste rund um die Uhr geöffnet. Die Bedienung erweist sich auch hier als äußerst freundlich, zuvorkommend und kompetent. Gäste von auswärts sind von 8.00 bis 2.00 Uhr willkommen. 

In den 78 Zimmern darf man sich zu angemessenem Preis Ruhe und Entspannung erwarten. Da wurde auch nicht bei soliden Fenstern gespart, weshalb allfälliger Lärm brav draußen bleibt. Wobei: eine stark befahrene Verkehrsader ist der Tiefe Graben ohnehin nicht und da zurzeit gegenüber heftig gebaut wird, hat sich Frau Steinkellner selbst dafür etwas überlegt. Einerseits findet man im Zimmer eine Karte mit einer freundlichen Erklärung hierzu, in der Bar wird zum Trost abends zum halben Preis ausgeschenkt und für besonders empfindliche Ohren gibt es sogar Stöpsel. Dann ruht man Dank guter Betten wohl.

Extrawissen kann beim Buchen hilfreich sein, drum sei hier nicht damit gegeizt:

Es sind zwar nur zwei, aber wenn es sich zufällig ergibt, so kann empfohlen werden, nach einem der beiden Zimmer mit Außenbereich zu fragen. Im fünften Stock gibt es ein Superior-Zimmer mit Balkon und im achten Stock eine Suite mit Terrasse. Da ist es schon schön, den Abend über den Dächern Wiens ausklingen zu lassen; für Raucher entspannt dieses Angebot den Aufenthalt im ansonsten komplett als Nichtraucher-Hotel geführten Haus sicher auch.

Ausstattungsmäßig kann sich das Tigra in der Oberklasse durchaus sehen lassen. Die Bäder sind geräumig, Bademäntel liegen bereit, Stauraum gibt es reichlich und in den Kleiderschränken gibt es – danke hierfür! – auch richtige Kleiderbügel. Frau Steinkellner meint dazu „Wie wir es halt auch gern haben, wenn wir selber unterwegs sind ...“ und diese Herngehensweise tut dem Gast gut. Darin liegt sicher auch der Ursprung für den freundlichen Willkommensgruß in Form von süßen Aufmerksamkeiten und Mineralasser im Zimmer und der frischen Blume im Bad. 

Am Frühstücksbuffet drängt es sich morgens etwas, was auch daran liegt, dass man im Tigra gern alle Komponenten reichhaltig gestaltet. Eine Ansammlung von etwa einem Dutzend (!) verschiedener Tees in feinen Beutelchen fällt auf. Kaffee kommt auf Bestellung nicht anders als in jedem anständigen Café und die Auswahl an Kaltgetränken reicht vom Wasser über mehrere Fruchtsäfte bis hin zu zwei Sorten Schaumwein. Dazu gibt es wirklich gutes (fluffiges!) Rührei, vielerlei an Käse, Schinken und diversen Aufstrichen, für die Süßen diverse Marmeladen, drei Honigsorten und Müsli angerührt sowie zum Selberbasteln. Die Galerie an Ingredienzien lässt keine Wünsche offen. Brot und Gebäck ist ums Eck ein eigenes Regal gewidmet. – Wer sich da nichts findet, dem ist wahrlich nicht zu helfen.

Wer also vor hat, sich nach Wien zu begeben, um die Stadt in sich aufzusaugen, ist im Tigra wohl behütet. Bei der Reiseplanung empfiehlt es sich, am unteren Ende der Homepage die Tigra-Specials anzuklicken. Da werden diverse Packages zu günstigen Konditionen angeboten und beinhalten verschiedene Gimmicks wie Museumstickets, Frühbucher-Bonus oder Gratisnächte (4 Nächte zum Preis von 3). Was man zusätzlich braucht, kann man dem Hauspersonal getrost anvertrauen. Seien es die Wien-Card, Öffi-Tickets oder Karten für die Oper. Sobald man weiß was man will, bucht man hier ein und um den Rest kümmert sich dann Das Tigra!

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