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The Guest House Vienna: Liebe und Detail

Autor: Martin Metzenbauer.  Veröffentlicht am 10.06.2015

Hoteldirektor Manfred Stallmajer im ReiseInsider-Gespräch.

Guest-House-Direktor Manfred Stallmajer. © Liebentritt / The Guest House Vienna Die zurückhaltende Rezeption wirkt gegen Berührungsängste. © Liebentritt / The Guest House Vienna Die Brasserie & Bakery wird auch von den Wienern gerne genutzt. © Liebentritt / The Guest House Vienna Room with a View im "Guest House". © Liebentritt / The Guest House Vienna Deluxe Opera View Room. © Liebentritt / The Guest House Vienna

Seit ein ehemaliges Wiener Studentenheim in bester Innenstadtlage im Herbst 2013 sein zweites Leben als „Guest House Vienna“ geschenkt bekommen hat, zeigen sich Journalisten, Blogger und vor allem Hotelgäste euphorisch über dieses kleine Hotel gegenüber der Staatsoper und der Albertina. Alleine schon die Eckdaten machen neugierig: Das Designkonzept von Conran & Partners, Möbelstücke von Oswald Haerdtl und Wittmann oder Accessoires aus der Werkstätte Carl Auböck lassen erahnen, dass es sich um kein 08/15-Produkt handelt.

Aber auch viele kleine Details zeigen, mit welcher Liebe das „Guest House“ kreiert wurde. Seien es die besonderen Bio-Seifen der Wiener Manufaktur Lederhaas oder eine Minibar, die unter anderem mit Wein und Bier gefüllt ist - beides bereits im Zimmerpreis inkludiert. Oder die Espressomaschine am Zimmer - statt dem üblichen Kapselkaffee gibt es hier die eigene Röstung aus dem Hause Naber. Überhaupt wird auch die Kulinarik groß geschrieben - die „Brasserie & Bakery“ wird nicht zufällig auch von den Wienern gerne frequentiert.

Mastermind hinter dem Projekt war und ist Manfred Stallmajer - Inhaber des Café Drechsler und vorher Direktor im Hotel „Triest“. ReiseInsider traf sich zum Gespräch mit dem Chef des „Guest House“.

ReiseInsider: Wenn Sie nach eineinhalb Jahren ein kurzes Resümee ziehen müssten - was ist im „Guest House“ gut gelungen, was würden sie ändern?

Manfred Stallmajer: Ich würde nichts ändern und alles genauso wieder machen. Das Konzept ist aufgegangen, wie man auch an den Gästebewertungen sieht. Man soll sich bei uns wie zuhause fühlen. Dafür sorgen viele kleine Details, aber auch das hochwertige Design. Besonders wichtig ist aber auch die Atmosphäre, die von den Mitarbeitern geprägt wird - wir pflegen hier keine aufgesetzten Höflichkeiten wie bei vielen Ketten.

ReiseInsider: Nach welchen Kriterien suchen Sie Ihre Mitarbeiter aus?

Manfred Stallmajer: Zuerst ist einmal wichtig, dass sie etwas können und ins Team passen. Es müssen nicht immer ausgebildete Fachkräfte sein - wenn die Chemie und das Rundherum stimmen, lernen wir sie auch gerne an.

ReiseInsider: Wie ist das Konzept der „Brasserie & Bakery" aufgegangen? Viele Hotels sind ja mit ihrer Gastronomie nicht gerade erfolgreich.

Manfred Stallmajer: Das Lokal wurde von den Gästen aber auch von den Wienern sehr gut angenommen. Warum hat das bei uns funktioniert? Ich denke, dass es einfach ein gutes Konzept ist - beispielsweise mit der eigenen Bäckerei.

ReiseInsider: Wie sehen die „typischen“ Gäste Ihres Hotels aus?

Manfred Stallmajer: Unsere Gästestruktur ist sehr heterogen. Es gibt aber einen gemeinsamen Nenner: Sie wollen keine Ketten bzw. austauschbare Hotels. Und sie sind in der Regel architekturinteressiert.

ReiseInsider: Wie wichtig sind Bewertungsportale für Sie?

Manfred Stallmajer: Für uns sind sie ganz besonders wichtig, da wir keine international bekannte Marke sind. Über die Portale bekommt man die nötige Aufmerksamkeit. Auf der anderen Seite kommen die Gäste natürlich auch mit einer hohen Erwartungshaltung zu uns.

ReiseInsider: Wie beurteilen Sie den Hotelmarkt in Wien?

Manfred Stallmajer: Auf der einen Seite gibt es immer wieder Nächtigungsrekorde, was natürlich erfreulich ist. Auf der anderen Seite sehen wir aber ein zunehmendes Überangebot an Hotels, wodurch dann wieder die Auslastung sinkt.

ReiseInsider: Und wie sehen Sie Phänomene wie Airbnb?

Manfred Stallmajer: Das ist nicht zu unterschätzen. Solche Portale sind mittlerweile recht stark von der ursprünglichen Idee abgedriftet. Statt den Studenten, die mal kurz ihre Wohnung oder ein Zimmer vermieten wollen, findet man immer mehr gewerbliche Vermieter. Problematisch sehe ich, dass sie oft keine Steuern und keine Ortstaxe bezahlen. Das finde ich nicht okay.

ReiseInsider: Was sind Ihre persönlichen Lieblingshotels außerhalb Wiens?

Manfred Stallmajer: Das sind zwei Londoner Hotels: Absolut genial finde ich das „Chiltern Fire House“ - das ist wirklich sensationell, mit Leben gefüllt. Aber auch das „Boundary“ in Shoreditch ist grandios - das ist eigentlich eine Restauration mit Zimmervermietung.

ReiseInsider: Was reizt Sie an Ihrem Job?

Manfred Stallmajer: Für mich ist es eine große Freude, tagtäglich mit den Menschen im Hotel arbeiten zu dürfen. Und es ist ein schönes Gefühl, wenn Gäste das Haus verlassen und „Es war schön“ sagen. Ohne „aber“.

ReiseInsider: Was geht im Hotelbetrieb gar nicht?

Manfred Stallmajer: Da gibt es viele Dinge. Ich kann es nicht leiden, wenn Mitarbeiter glauben, cooler zu sein als die Gäste. Es sollte auch niemals ein „Nein“ geben - sondern immer Alternativlösungen.

ReiseInsider: Welche Pläne haben Sie nach dem „Guest House“?

Manfred Stallmajer: Das Baby lernt jetzt langsam laufen - da sind wir auf einem guten Weg. Aber wir werden uns sicher auch in Zukunft wieder etwas einfallen lassen.

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