hills left
hills right

Warmly welcome!

Autor: Gregor Faistauer.  Veröffentlicht am 25.03.2017

Ein aktuelles Update zum Thema schwullesbisches Reisen.

Chicago ist einer der weltweiten Hotspots für gay travel. © Illinois Office of Tourism

Es ist gute zwanzig Jahre her, dass die Tourismuswirtschaft die LGBT-Community (Schwule, Lesben, Bi- und Transsexuelle) als interessante weil investitionsfreudige Klientel entdeckt hat. Erste Studien gab es schon in den Neunzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts, eine Untersuchung im Jahr 2007 konnte die Erkenntnisse näher quantifizieren: Schwule und Lesben generieren 15 bis 20 Prozent der Reiseausgaben obwohl sie nur 7 bis 8 Prozent der Bevölkerung ausmachen.

In Österreich waren es namhafte Schigebiete, die vornehmlich schwule Männer als zahlungskräftige Gäste für die Nachsaison umwarben. Wenn die Hotels sich gegen März hin so ziemlich geleert hatten, waren sie willkommen um sich für ein exklusives Angebot zu erwärmen und nochmals kräftig Geld in die Kassen zu spülen - wenn alle anderen Gäste abgereist waren. Im Grunde gibt es dasselbe Angebot wie sonst auch, jede Menge Partyspaß und zum Abschluss fließt der Prosecco in der Happy hour in Strömen. Dann beginnen wieder die restlichen 51 Wochen des Jahres und da ist wieder alles „normal“. Ein ambitioniertes und sichtbares Zeichen für die Anerkennung von Schwulen und Lesben ist das freilich nicht.

Auf der weltgrößten Tourismusmesse ITB in Berlin präsentierten sich heuer einige Anbieter für einschlägig Reisewillige in einem Medienmeeting. ReiseInsider hörte aufmerksam zu und recherchierte gespannt.
Gastgeber war Illinois. Der US-Bundesstaat, der sich südlich des Lake Michigan erstreckt, gehörte zu den ersten, die gleichgeschlechtlich Liebenden gleiche Rechte einräumten und bemüht sich nun, ihnen seine Gastfreundschaft zu zeigen.

Chicago als große Millionenmetropole sticht im schwullesbischen Leben tatsächlich hervor. Boystown war das erste offiziell anerkannte „gayvillage“ der USA und bietet heute noch eine große Zahl an einschlägigen Lokalen. Andersonville – einst gegründet von schwedischen Einwanderern – beherbergt die zweite große queer community in der Stadt. Wer auf entsprechende Events aus ist, reist am besten während des Pride Month rund um den Christopher Street Day an. Neben der großen Parade und verschiedenen Straßenfesten findet an zwei Wochenenden unter dem Motto „Where the girls come out and play“ der ganz den Frauen gewidmete Backlot Bash statt. Durch diese Events und die Präsenz im Stadtleben ist die Community in Chicago das ganze Jahr über ziemlich sichtbar.

Der Independent setzte 2014 Kopenhagen auf Platz 1 der „World’s Top 10“ der schwulenfreundlichen Destinationen. Klickt man auf www.visitcopenhagen.com auf „plan your stay“, so findet man den Link zu den Angeboten für die Zielgruppe unübersehbar ganz oben. Die offizielle Tourismusseite www.enjoyillinois.com hat in der Hinsicht aktuell noch etwas Luft nach oben. Die LGBT-Tipps findet man derzeit erst nach einigem Suchen, aber ReiseInsider wurde informiert, dass am 1. Mai ein eigenes Portal für diesen Bereich online gehen soll. Darauf darf man gespannt sein.

Wer sucht, findet
Das dürfen sich auch die LGBT-Reisenden zu Herzen nehmen. Die Informationsangebote sind vorhanden und es lohnt sich sie zu nutzen.
Der deutsche Verlag Bruno Gmünder bringt seit vierzig Jahren den umfangreichsten Gay Guide auf den Markt. Doch ist es nicht immer praktisch den großen Wälzer mit sich zu schleppen und so blieb Bruno Gmünder auch nicht stehen und entwickelte eine sehr umfangreiche App. Die Weltweit-Version kostet zwar € 9,99 pro Jahr, bietet dafür aber einiges.

Abgesehen von der gewöhnlichen Destinationen-Suche und der Anzeige aller entsprechenden Angebote, kann man auch etliche Filter anwenden und nach Lokalitäten, Treffpunkten, Unterkünften oder Veranstaltungen suchen. Ein regelmäßiges Update ist ebenso inkludiert wie die Zugänglichkeit nahezu aller Funktionen auch offline. Durch die Standortsuche ist die App damit deutlich effizienter als das Buch. Wer dafür nicht gleich Geld ausgeben möchte, kann eine Basisversion kostenlos laden, was für eine erste Orientierung sicher einmal ausreichend ist. Wer sich aber wirklich gezielt orientieren will, ist freilich mit einem Upgrade gut beraten und kann dies entweder in der Vollversion oder in verschiedenen Packages zu jeweils € 5,99 pro Jahr tun:

  • Europa (45 Länder)
  • Nordamerika (USA, Kanada, Mexiko)
  • Lateinamerika, Asien, Afrika und Ozeanien

Eine weitere Fundgrube ist die Seite www.tagapproved.com, welche mit durchaus anspruchsvollen Parametern wirklich nur jene Hotels und Einrichtungen listet, die nicht nur den Geldbeutel der LGBT-Community im Auge haben, sondern die sich auch darüber hinaus um deren Anliegen bemühen. Das sind neben dem aktiven Einsatz für Antidiskriminierungsgesetze die Gleichstellung von hetero- und gleichgeschlechtlichen Partnerschaften in der Firma, Diversitäts- und Sensibilitätstrainigs für die Angestellten und sogar ein effektiver Rückfluss an die schwullesbische Gemeinschaft. Diese Ansprüche mögen hoch erscheinen, jedoch bringen sie Hoteliers offenbar dazu sich Gedanken zu machen. Wer hier aufscheint gibt dem Gast das wohl wesentlichste Signal, um sich für eine Destination und ein Hotel entscheiden zu können.

Für Chicago findet man in dieser Liste zurzeit 38 Einträge von Hotels, an denen denen es für schwule, lesbische, bi- und transsexuelle Gäste heißt „Warmly welcome!“.

Connect

FacebookTwitterRSS