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Nova Scotia: Halifax & South Shore

Autor: Martin Metzenbauer.  Veröffentlicht am 23.08.2015

Die kanadische Provinz zeigt sich facettenreich und höchst charmant.

Sonnenaufgang über der South Shore. © Martin Metzenbauer Der Hafen von Halifax. © Martin Metzenbauer Das pittoreske Städtchen Lunenburg. © Martin Metzenbauer Peggy´s Cove. © Martin Metzenbauer Der Lighthouse Trail führt an vielen Leuchttürmen vorbei. © Martin Metzenbauer Condor fliegt bis zum Herbst mehrmals wöchentlich nach Halifax. © Martin Metzenbauer

Der Sommer geht langsam vorbei – der Wunsch zu verreisen für viele Menschen allerdings keineswegs. Die kanadische Provinz Nova Scotia bietet sich für einen frühherbstlichen Trip geradezu an. ReiseInsider-Redakteur Martin Metzenbauer hat sich die atlantisch-maritim geprägte Region angesehen – und die Liebe zu einer phantastischen Gegend mit ebensolchen Menschen entdeckt

Zuerst aber kurz zu den nüchternen Fakten zu Nova Scotia: Dabei handelt es sich um eine der kleineren Provinzen. Wobei „klein“ im Kanada-Maßstab relativ zu sehen ist. Immerhin ist das „neue Schottland“ rund 600 Kilometer lang, also vergleichbar mit Österreich. Trotz einer ebenfalls vergleichbaren geografischen Lage – in Bezug auf den Breitengrad – hat Nova Scotia allerdings nicht viel mit der Alpenrepublik gemeinsam. Die Provinz ist nämlich fast komplett vom Meer umgeben. Und dieses prägt die Region. Wobei – gewisse Ähnlichkeiten finden sich dann vor allem im Landesinneren doch. Sanfte Hügel und viel sattes Grün erinnern doch ein wenig an österreichische Gegenden wie die südliche Steiermark.

Hauptstadt von Nova Scotia ist Halifax – mit 300.000 Einwohnern in etwa mit Graz vergleichbar (womit wir aber auch schon bei der letzten Parallele mit der Steiermark wären). Die Stadt bzw. der nur wenige Kilometer entfernte Flughafen sind in der Regel der erste Kontakt mit Nova Scotia. Man kann zwar auch über die USA oder andere kanadische Flughäfen anreisen – am bequemsten geht es aber über den Stanfield International Airport. Dorthin fliegt die deutsche Condor während der Sommerflugplanperiode ab Frankfurt viermal pro Woche. Durch die guten Verbindungen ab Österreich zum wichtigsten deutschen Luftfahrtdrehkreuz ist Halifax damit auch von hier einfach zu erreichen. Der Flug ab Frankfurt dauert übrigens „nur“ rund sieben Stunden.

Halifax ist eine typische Hafenstadt, die durch Banken und Wirtschaft, Industrie aber auch das Militär geprägt ist. Es gibt dort sehr beschauliche Gegenden mit typischen amerikanischen Holzhäusern, aber auch eine Reihe höherer Gebäude – wobei man hier nicht von Wolkenkratzer-Dimensionen sprechen kann. Charmant ist die recht neu ausgebaute Waterfront, wo sich das maritime Leben der Stadt abspielt: Neben Schiffen finden sich dort Shops, Restaurants und mehrere Museen wie das „Maritime Museum of the Atlantic“ oder das kanadische Einwanderungsmuseum. Vom Hafen führt dann der Weg bergauf zur wohl bekanntesten Sehenswürdigkeit der Stadt, der 1856 fertiggestellten Zitadelle. Dieses Bauwerk ist nicht nur historisch interessant, von dort kann man auch einen schönen Ausblick über die Stadt genießen. 

Kulinarisch bietet die Hauptstadt von Nova Scotia eine Reihe interessanter Hotspots – natürlich vielerorts mit einem maritimen Hintergrund. Aber auch unzählige gemütliche Pubs finden sich in der Provinzhauptstadt – viele davon mit lässiger Livemusik. Man spürt hier förmlich den Groove und versteht, warum Kanada Ursprung vieler bekannter Musikerkarrieren ist. Nova Scotia hat übrigens ebenfalls einige interessante Bands hervorgebracht – zum Beispiel „Blou“, die auf französisch Cajun-angehauchte Songs spielen. Diese handeln hauptsächlich von der Liebe – zwischen Menschen, aber auch zum wunderschönen Land. Apropos: Nova Scotia ist zwar eine der englischsprachigen Provinzen Kanadas – einige Orte vor allem an der Westküste sind „französisch“.

Wer nach Nova Scotia kommt, sollte seinen Besuch nicht auf Halifax beschränken. Die gesamte Provinz bietet eine Menge interessanter und absolut sehenswerter Orte. Voraussetzung, diese zu entdecken, ist in der Regel ein Mietwagen, den man nach Vorbestellung am besten gleich am Flughafen mietet. Als mitteleuropäischer Stadt-Autofahrer stellen einen der relaxte Fahrstil der Kanadier und die relativ niedrige Fahrzeugdichte vor keine größeren Herausforderungen. Allerdings gibt es in Kanada einiges zu beachten: So sind die Ampeln meistens hinter der Kreuzung platziert. Wer also abbiegt und dann brav vor der roten Ampel stehen bleibt, erntet in der Regel ein kleines Hupkonzert. Anders als in den USA sind auch die Entfernungen und Geschwindigkeitsbegrenzungen in Stundenkilometern angegeben – eine unter Umständen teure Enttäuschung für Leute, die „Maximum 100“ als Einladung zum Rasen  missverstehen...

Wer die gesamte Provinz erkunden will, sollte sich auf jeden Fall Zeit nehmen – zu viel gibt es zu sehen und zu entdecken, als dass man Nova Scotia in ein paar Tagen „abhaken“ könnte: Eine der weltweit malerischsten Küstenstrecken namens Cabot Trail, zahllose Seen und oder der Cape Breton Highlands National Park – Nova Scotia hat unglaublich viel zu bieten.

Für einen ersten Eindruck oder wenn man nur ein paar Tage Zeit hat, bietet sich auf jeden Fall die South Shore – also der Küstenabschnitt südwestlich von Halifax – an. Neben Sehenswürdigkeiten wie das Städtchen Lunenburg – eines der UNESCO-Erbe der Provinz – oder den berühmte Leuchtturm von Peggy’s Cove kann man den Groove von Nova Scotia fühlen und richtiggehend atmen.

Die Autofahrt von Halifax nach Lunenburg dauert nur etwas mehr als eine Stunde. Der erste Eindruck von dieser – welch Überraschung – ursprünglich deutschen Stadt kann nur „malerisch“ lauten. Alte Holzhäuser, ein kleiner Hafen und nette Lokale – in denen natürlich Fisch und Hummer dominieren – tragen zum unvergleichlichen Charme dieses Ortes bei. Man kann von hier aus Bootsausflüge und Whale Watching unternehmen – ob man wirklich Wale zu sehen bekommt, ist allerdings nicht immer so sicher.

Von Lunenburg aus zahlt sich ein kurzer Abstecher nach Blue Rocks, einer sehr ursprünglichen Fischersiedlung aus. Dort steht übrigens neben einem Haus mit Leuchtturm ein Wegweiser nach „Austria“. Dieses gehört einem US-amerikanischen ehemaligen Eishockey-Profi, der seine Stationen – darunter eben auch Österreich – verewigt hat.

Neben Lunenburg findet man an der South Shore noch weitere nette kleine Städtchen – darunter das pittoreske Mahone Bay, bekannt für seine drei nebeneinander stehenden Kirchen. Aber natürlich auch ein weiteres großes Higlight – das Örtchen Peggy’s Cove mit seinem weithin bekannten Leuchtturm.

Die Landschaft von Nova Scotia ist phantastisch – aber auch von der Offenheit der Menschen könnte man sich woanders ein Beispiel nehmen. Es ist nicht ungewöhnlich, auf der Straße angesprochen zu werden – genauso wenig wie ein Lächeln oder die Bereitschaft, spontan zu helfen. Die Herzlichkeit der Menschen an der rauen Atlantikküste ist tatsächlich ansteckend.

Da Liebe auch durch den Magen geht, kommt man auch kulinarisch auf seine Kosten. Besonders hervorzuheben sind an der South Shore das „Lincoln Street Food“ – ein erst 2014 eröffnetes Restaurant in Lunenburg (www.lincolnstreetfood.ca) oder das kleine, charmante „Rebecca´s“ in Mahone Bay mit seiner wunderschönen Terrasse mit Blick auf die Bucht (www.rebeccas-restaurant.ca).

Es gibt also viele und vor allem gute Gründe, der Provinz einen Besuch abzustatten – für ein paar Tage oder länger. Aber Achtung: Es kann passieren, dass man sich schwer in Nova Scotia verliebt – und vielleicht für immer bleibt.

Hotel-Tipps:

Prince George Hotel, Halifax: Stylishes und vor allem gut gelegenes Hotel im Zentrum von Halifax. www.princegeorgehotel.com

Salty Rose Ocean Front Cottages, Rose Bay: Direkt am Meer gelegene kleine Cottages mit sehr netten und hilfsbereiten Vermietern. Ein perfektet Ausgangspunkt für die Erkundung der South Shore. www.saltyrose.com

Anmerkung im Sinne der Transparenz: Der Flug von Frankfurt nach Halifax und retour wurde von Condor zur Verfügung gestellt.

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