Seit Kurzem gibt es eine direkte Flugverbindung von Wien an den Ohridsee - ReiseInsider berichtete. Damit rückt eine Urlaubsdestination näher, deren touristische Entwicklung in vielen Bereichen noch am Anfang steht, die mit authentischer Gastfreundschaft punktet und vielfach an die unbeschwerten Badereisen früherer Jahrzehnte erinnert.
Kurz gesagt: Der Ohridsee bietet glasklares Wasser, kleine naturbelassene Strände und Restaurants, in denen frische Fischspezialitäten zu vergleichsweise günstigen Preisen auf den Tisch kommen.
Während ein Badeurlaub an einem der zahlreichen österreichischen Seen für Familien inzwischen zu einem kostspieligen Vergnügen geworden ist, bietet der weniger als zwei Flugstunden von Wien entfernte Ohridsee eine preisgünstige Alternative. Urlaubsziele auf dem Balkan werden aufgrund der niedrigeren Kosten generell immer beliebter. Waren früher vor allem günstige Aufenthalte in Kroatien gefragt, zieht es Reisende heute zunehmend nach Albanien, Montenegro oder eben Nordmazedonien.
Die touristische Entwicklung der Region steckt in vielen Bereichen noch in den Kinderschuhen. Das zeigt sich auch entlang des rund 30 Kilometer langen Seeufers südlich von Ohrid bis zur albanischen Grenze. Große All-inclusive-Anlagen prägen die Landschaft bislang kaum. Stattdessen besteht die Hotellerie der Region, von wenigen Ausnahmen abgesehen, vor allem aus kleinen und mittelgroßen Familienbetrieben. Im Programm großer Reiseveranstalter spielt die Destination daher bislang nur eine vergleichsweise kleine Rolle.
Doch gerade das macht den Charme der Region aus. Mancherorts erinnert vieles an Reisen aus früheren Jahrzehnten, während an anderen Stellen bereits erste Anzeichen eines bevorstehenden Tourismusbooms zu erkennen sind.
Ohrid: für jeden Tag eine Kirche
Ohrid, das sind Kirchen, Klöster und Moscheen, soweit das Auge reicht. Nicht ohne Grund wird die Stadt gerne als das „Jerusalem des Balkans“ bezeichnet. Rund 42.000 Menschen leben in dem idyllischen Ort an einem der ältesten Süßwasserseen Europas. Umgeben wird Ohrid von einem eindrucksvollen Bergpanorama, das weit über den See bis nach Albanien reicht. Vor allem aber ist die Stadt reich an Geschichte und Kultur.
Der Legende nach soll es in Ohrid einst 365 Kirchen und Kapellen gegeben haben, eine für jeden Tag des Jahres. Die geistliche Bedeutung der Stadt zeigt sich auch in der historischen Schule von Ohrid, an der einst zahlreiche Mönche und Gelehrte wirkten.
Die Natur- und Kulturlandschaft der Region Ohrid steht seit 1979 beziehungsweise 1980 auf der UNESCO-Welterbeliste. Der Schutzstatus setzt groß angelegten Bauvorhaben in der Altstadt enge Grenzen und trägt dazu bei, deren historisches Erscheinungsbild zu bewahren.
In der Stadt finden sich zahlreiche historische und archäologische Sehenswürdigkeiten. Dazu zählt das auf einem Hügel gelegene antike Theater, das um 200 vor Christus entstand und einst mehr als 3.000 Besuchern Platz bot. Rund 100 Meter über der Stadt thronen die Überreste der Festung des Zaren Samuil.
Nur wenige Meter unterhalb der Festung liegt die Kirche des heiligen Kliment und Panteleimon. Von ihrem Gelände eröffnet sich ein eindrucksvoller Blick auf den glasklaren Ohridsee. Ein Stück weiter gelangt man zur orthodoxen Kirche des heiligen Johannes von Kaneo. Sie ist nicht ohne Grund das bekannteste Fotomotiv der Stadt und ein besonders beliebter Platz, um den Sonnenuntergang zu beobachten.
Abstecher ins St. Tropez des Ohridsees
Der Ohridsee bietet nicht nur im touristischen Zentrum Ohrid viel Sehenswertes. Auch entlang des Ufers bis zur albanischen Grenze gibt es einiges zu entdecken. Auf dem Weg in den Süden führt die Straße an kleinen Dörfern, naturbelassenen Stränden und familiengeführten Restaurants vorbei.
Rund 14 Kilometer von Ohrid entfernt befindet sich das direkt am Wasser gelegene „Bay of Bones“-Museum. Die Rekonstruktion einer prähistorischen Pfahlbausiedlung aus der Bronzezeit zeigt mit 24 nachgebauten Hütten, wie die ersten Bewohner der Region über dem Wasser lebten.
Einige Kilometer weiter südlich liegt das ehemalige Fischerdorf Trpejca mit seinen rund 300 Einwohnern. Aufgrund seiner Lage am Fuße des Galicica-Gebirges und seines idyllischen Strandes an einem der schönsten Abschnitte des Ohridsees hat der Ort in den vergangenen Jahren touristisch an Bedeutung gewonnen.
Die Einheimischen haben Trpejca daher den Beinamen „St. Tropez des Ohridsees“ verpasst. Der entscheidende Unterschied zum französischen Vorbild: Ein Besuch in einem der kleinen Strandrestaurants, in denen unter anderem die beliebte Ohrid-Forelle angeboten wird, bleibt hier problemlos erschwinglich.
St. Naum: Kloster, Quellen und Badestrand
Neben Ohrid zählt die historische Klosteranlage von St. Naum zu den wichtigsten Ausflugszielen am See. Das nach dem heiligen Naum von Ohrid benannte Kloster ist jedoch nicht der einzige Grund, hier etwas länger zu verweilen.
Zu den Höhepunkten gehören die Drim-Quellen im Nationalpark Gali?ica. Sie liegen in der von der UNESCO geschützten Natur- und Kulturlandschaft der Region Ohrid. Bei einer der angebotenen Ruderbootfahrten geht es durch eine ruhige, parkähnliche Landschaft. Im kristallklaren Wasser lässt sich beobachten, wie das Quellwasser direkt aus dem Grund aufsteigt.
Gespeist werden die Quellen unterirdisch vom höher gelegenen Prespasee. Kleine Öffnungen im Boden führen dem Quellgebiet und in weiterer Folge dem Ohridsee kontinuierlich klares und eiskaltes Wasser zu.
Wer nach St. Naum fährt, sollte dennoch die Badesachen nicht vergessen. Obwohl die nahe gelegenen Quellen nur rund zwölf Grad kaltes Wasser führen, bietet sich am See ein gepflegter Strandabschnitt mit kleinen Cafés und zahlreichen Restaurants für einen Badestopp an.
Mein Fazit
Der Ohridsee ist definitiv noch ein Geheimtipp. Wer einen einfachen und gemütlichen Urlaub an einem der ältesten und zugleich schönsten Süßwasserseen Europas verbringen möchte, ist hier genau richtig.
Wie lange das noch so bleibt, ist allerdings fraglich. Immer mehr Fluglinien nehmen Ohrid in ihre Flugpläne auf. Nach den Eindrücken vor Ort liegen die Preise vielfach deutlich unter jenen in Österreich. Das macht den Ohridsee selbst während der Hochsaison zu einer attraktiven Alternative zu einem Badeurlaub in Österreich oder am Mittelmeer.
Reisetipps
Anreise
- Austrian Airlines fliegt im Sommerflugplan 2026 zwei- bis dreimal wöchentlich direkt von Wien nach Ohrid.
- Alternativ bietet Wizz Air Direktflüge vom nahe gelegenen Bratislava nach Ohrid an.
Restaurants
Weitere Informationen
Leihwagen
- Für die Erkundung des Ohridsees bietet sich die Anmietung eines Leihwagens an, etwa über Sunny Cars.















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