Japan ist für viele ein Traumziel – nicht zuletzt aufgrund des noch immer sehr guten Yen-Kurses hat man das Gefühl, dass ein Besuch im Land der aufgehenden Sonne noch nie so beliebt war.
Aber natürlich ist ein Trip in den rund 9.000 Kilometer von Österreich entfernten Inselstaat etwas anderes als beispielsweise nach Italien oder Spanien – abgesehen von der Distanz gibt es in Japan noch so einige Besonderheiten, auf die man vorbereitet sein sollte.
Eine Japan-Reise beginnt meistens in Tokio – daher beschränken wir uns hier auf Tipps für die Hauptstadt. Vieles davon besitzt aber in anderen Teilen des Landes ebenso Gültigkeit. Wichtig: Dieser Artikel basiert auf einer eigenen Recherche vor Ort und soll vor allem praktische Hilfestellungen für die erste Tokio-Reise liefern. Auf eine ausführliche Vorstellung der unzähligen Sehenswürdigkeiten haben wir bewusst verzichtet – dazu gibt es bereits viele gute Reiseführer und Webseiten.
Hier sind also die Top-10-Tipps für die erste Reise nach Tokio.
1. In ein Flughafen-Taxi investieren
Wenn man nach mehr als 12 Stunden Flug in Tokio ankommt, ist man in der Regel – selbst wenn man die Business Class nützt – müde. Obwohl es von den beiden internationalen Flughäfen Narita (dorthin fliegt von Wien aus die AUA) oder Haneda gute Öffi-Verbindungen gibt, ist es zwar etwas teurer, aber dafür um einiges entspannender, direkt ins Hotel gebracht zu werden.
Transfers sollte man im Vorhinein buchen – beispielsweise über die App Klook. Wir haben rund 100 Euro für die Fahrt vom Flughafen ins Stadtzentrum bezahlt – eine auf jeden Fall lohnende Investition zu Beginn des Tokio-Aufenthaltes.
2. Sprachlich flexibel sein
Wer in Europa und vielen anderen Teilen der Welt reist, kommt meistens mit Englisch ganz gut über die Runden. Anders sieht es allerdings in Japan aus – man geht davon aus, dass nur rund jede fünfte Person über halbwegs solide Englischkenntnisse verfügt. Zwar ist beispielsweise auf Flughäfen oder in der U-Bahn vieles auch auf Englisch angeschrieben – Speisekarten und dergleichen wird man in einer anderen Sprache als Japanisch aber eher nicht oft finden.
Allerdings muss man dabei weder Japanisch lernen noch verzweifeln – und zwar in erster Linie dank Tools wie Google Translate: Mit der Kamerafunktion kann man quasi „live“ übersetzen. Zusammen mit Händen und Füßen klappt damit die Essensbestellung im Restaurant schon ganz gut. Abgesehen davon wird Gastfreundschaft in Japan sehr hoch geschrieben – und wir hatten bei unserer Tokio-Reise auch den Eindruck, dass man immer und gerne hilft.
Ein kleines Japanisch-Vokabular sollte man sich allerdings schon bereithalten – beispielsweise „Arigato“ für „Danke“ (noch besser: „Arigato gozaimasu“ für „Vielen Dank“), „Konnichiwa“ für „Guten Tag“ oder „Hai“ für „Ja“. „Sumimasen“ ist eines der nützlichsten und vielfältigsten Worte – es steht für „Entschuldigung“ oder „Darf ich kurz stören?“ und man kann es auch nutzen, wenn man den Kellner rufen möchte.
3. Auf Umgangsformen achten
Japan gilt als Land, in dem Umgangsformen einen sehr hohen Stellenwert besitzen. Daran sollten sich auch Besucherinnen und Besucher halten. Sich häufig mit „Arigato“ zu bedanken, ist genauso wichtig wie seinen Respekt mit Verbeugungen auszudrücken (Damen verbeugen sich übrigens mit den Händen neben und Herren vor dem Körper).
Auf der Straße als Paar Hand in Hand zu gehen, ist unproblematisch – wild herumzuknutschen ist allerdings aufgrund der japanischen Zurückhaltung eher wenig verbreitet. Was also Zwischenmenschliches in der Öffentlichkeit betrifft: Alles mit Maß und Ziel.
Wichtig ist auch: Wenn man sich anstellt, bildet man eine Linie und drängelt sich nicht vor – auch sollte man eher nicht auf der Straße beim Gehen essen. In Tokio steht man auf Rolltreppen links und geht rechts (umgekehrt zu uns – aber in Japan gibt es ja schließlich auch Linksverkehr).
Wer glaubt, dass es in Tokio immer nur leise zugeht, der irrt: In manchen (einfacheren) Lokalen, die wir ausprobiert haben, ging es ziemlich laut und gar nicht dezent-japanisch zu!
4. Bargeld und eine IC-Karte besorgen
Japan ist natürlich ein hochtechnologisiertes Land. Daher ist es vielleicht unerwartet, dass Bargeld noch immer eine gewisse Rolle spielt: In manchen kleinen Restaurants oder Shops kann man nur bar zahlen – daher sollte man sich einen gewissen Vorrat an Yen-Scheinen besorgen (während unseres Tokio-Aufenthaltes war dies allerdings wirklich eher selten der Fall).
Wo bekommt man das Geld her? Aus Geldautomaten, die man vor allem in Shops wie 7-Eleven findet. Aber Vorsicht: Je nach Karte und Anbieter können Gebühren anfallen. Die Automaten funktionieren wie bei uns – und in der Regel kann man Englisch oder sogar Deutsch als Bediensprache auswählen.
Vielleicht noch wichtiger als Bargeld ist allerdings eine IC-Karte. „IC“ steht für „Integrated Circuit“ – also im Wesentlichen eine Chip-Karte. Diese kann man im Vorhinein aufladen und zahlt damit unkompliziert in der U-Bahn, bei Automaten oder auch in Shops.
Die vielleicht populärste dieser Karten heißt Suica. Neben der physischen gibt es dabei auch eine elektronische Version am Handy – diese haben wir oft und gerne genutzt. Dazu lädt man sich die App Welcome Suica Mobile herunter und lädt (nach Ankunft in Japan) Yen darauf. Äußerst einfach und praktikabel!
5. Mit der U-Bahn fahren
Die Tokyo Metro verfügt über ein Streckennetz von knapp 200 Kilometern, auf dem mit neun Linien etwa 180 Stationen angefahren werden. Dazu kommen noch diverse Vorortelinien und dergleichen – das Netz ist also riesig.
In Tokio stellt die U-Bahn wohl das effizienteste Verkehrsmittel dar – auch für Touristen. Und obwohl man von der Größe und Komplexität des Systems schnell überwältigt werden kann, kommt man damit wirklich einfach und schnell durch die Stadt.
Zuerst einmal muss man sich keine Tickets kaufen – man legt seine Suica (bzw. das Handy) einfach auf das Kontaktfeld der Eingangsschranke (und dann wieder beim Rausgehen – erst dann wird der Fahrpreis abgezogen).
Um sich zu orientieren, gibt es ein System aus Buchstaben und Zahlen, welche die Linien und Stationen symbolisieren. So bezeichnet beispielsweise „G 02“ die Station Nummer 2 (namens Omote-Sando) der Ginza-Linie. Wenn man jetzt weiß, dass man zur Station 7 (also „G 07“) fahren möchte, ist das um einiges einfacher, als sich japanische Stationsnamen zu merken.
Und woher weiß man, wie man fahren muss? Hier hilft Google Maps, wo man ganz genau Route, Bahnsteig und sogar Tipps erhält, in welchen Wagen man einsteigen soll. Wichtig sind die bereits erwähnten Umgangsformen auch in der U-Bahn: Man stellt sich vor dem Einsteigen in einer Reihe an und drängelt nicht.
6. Tax-Free-Shopping nutzen
Tokio ist bekanntermaßen ein Einkaufsparadies – und darüber hinaus kann man als Ausländer/in noch einmal sparen: Ab einer gewissen Summe zahlt man gegen Vorlage des Reisepasses bzw. der bei der Einreise registrierten Visit-Japan-Daten (hier wird von den Grenzbeamten ein QR-Code in den Pass geklebt) nämlich keine Verbrauchssteuer und erspart sich dadurch in der Regel zehn Prozent.
Leider soll mit 1. November 2026 eine Änderung auf ein Refund-System durchgeführt werden, sodass man zuerst die Steuer voll zahlt und sie dann bei der Ausreise zurückerhält. Damit möchte man Missbrauch verhindern (anscheinend wurden manche Waren nicht ausgeführt, sondern beispielsweise weiterverkauft).
7. Das Shopping-Erlebnis planen
Tokio ohne Einkaufen geht selbst für Shopping-Muffel gar nicht: Es gibt einfach zu vieles und vor allem auch Dinge, die man in Europa nicht oder nur schwer bekommt. Und dank des günstigen Yen-Kurses und der erwähnten einfachen Möglichkeit, ohne Mehrwertsteuer zu bezahlen, gestalten sich die Einkäufe oft überraschend günstig.
Obwohl es auch nett ist, einfach loszuziehen und sich durch ein Einkaufsviertel wie Ginza treiben zu lassen, ist es alleine schon aufgrund der vielen Shoppingmöglichkeiten gut, ein wenig zu planen. So benötigt man beispielsweise beim Shibuya Mega Don Quijote (einem riesigen Kaufhaus, wo es neben günstiger Kosmetik auch Haushaltsartikel, Spielsachen und noch viel mehr gibt) wohl mehrere Stunden. Genauso werden Fans von Papier und Schreibgeräten im mehrstöckigen Itoya in Ginza einige Zeit verbringen.
Das Ganze sollte also zumindest in Ansätzen geplant werden. Was und wo man shoppen möchte, sollte man sich schon vor der Abreise ansehen und sich hier durch Google, ChatGPT und dergleichen inspirieren lassen.
Apropos Shopping: Ohne großartige Planung sollte man die sogenannten „Kombinis“ nutzen. Der Begriff leitet sich vom englischen „Convenience Store“ ab. Das sind (oft 24 Stunden am Tag geöffnete) kleine Läden etwa der Marken 7-Eleven, Family Mart und Lawson. Dort gibt es so ziemlich alles, was man „conveniently“ braucht – von Wasser über Snacks bis hin zur vergessenen Zahnbürste. Viele schwören auch auf gute und günstige Kaffees und dergleichen oder auch Weckerl und Kuchen.
8. Ein verkehrsgünstig gelegenes Hotel suchen
In Tokio gibt es natürlich tausende Hotels in allen Kategorien und Preisklassen. Unserer Erfahrung nach ist eine der wichtigsten Entscheidungen die verkehrsgünstige Lage, um alle Stadtbezirke gut zu erreichen.
Für unsere Recherche mieteten wir uns in einem Hotel in Nihonbashi ein – einer Gegend, die touristisch nicht so bekannt ist wie Shibuya oder Shinjuku. Allerdings war die Wahl (für uns) goldrichtig, da man dank diverser U-Bahnen vieles schnell und einfach erreichen konnte. Ginza lag mit zwei Stationen ums Eck – und zum Kaiserpalast und Garten konnte man sogar zu Fuß gehen.
Was uns dort noch überzeugte: Vieles ist neu und sehr grün angelegt – und es ist insgesamt ruhiger und nicht so überlaufen: Ein angenehmer Kontrast zu den touristischen Hotspots mit ihren Massen. In der Nachbarschaft gibt es auch eine Menge Restaurants und Bars, darunter beispielsweise die schöne und elegante Mandarin Bar im 37. Stock des mondänen Mandarin Oriental.
Wir wählten das Mitsui Garden Hotel Nihonbashi Premier (www.gardenhotels.co.jp/nihonbashi-premier), ein recht neues und luxuriöses Hotel mit einem unserer Meinung nach sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Darüber hinaus bietet das Haus ein exzellentes japanisches Frühstück und ein japanisches Bad für Gäste.
9. Kulinarisches Neuland ausprobieren
Apropos Restaurants: Tokio ist eine der Foodie-Hauptstädte der Welt – man rechnet mit zehntausenden Lokalen, die von weltbekannten Restaurants bis zu kleinen Izakayas reichen. Gewaltig ist auch die Dichte an Michelin-Sternen: Aktuell (2026) gibt es 12 Betriebe mit drei Sternen und 148 weitere mit einem oder zwei (siehe auch hier: guide.michelin.com/us/en/tokyo-region/tokyo/restaurants).
Aber es sind nicht nur diese Gourmettempel, die das kulinarische Tokio ausmachen – gerade auch die simplen und kleinen Lokale, die in erster Linie von Einheimischen frequentiert werden, rufen oftmals auch für europäische Geschmäcker kulinarische Begeisterung hervor. Diese Lokale liegen mitunter recht versteckt – manchmal im Keller. Und wie schon erwähnt, sind Englisch-Kenntnisse oft nicht oder kaum vorhanden. Hungrig sind wir jedenfalls bei unserem Besuch aus keinem Restaurant wieder hinausgegangen!
10. Innehalten am Schrein
Bei allem Besichtigungs-, Essens- und Shopping-Stress sollte man gelegentlich die ruhigen Seiten Tokios aufsuchen – die vielen kleinen Schreine, die man an vielen Orten findet. Sie strahlen oft eine faszinierende Ruhe aus, die sich auch auf die Besucherin und den Besucher übertragen kann. Wie man dort sieht, ziehen sich auch die Bewohnerinnen und Bewohner der Metropole für ein kurzes Gebet dorthin zurück.
Wie verhält man sich korrekt an einem Shinto-Schrein? Zuerst einmal geht man auf das große Eingangstor zu, das Torii heißt. Dabei verbeugt man sich kurz und geht links oder rechts der Mitte durch (die Mitte selbst ist den Göttern vorbehalten). Am Eingang gibt es dann oft ein Waschbecken, das man Temizuya nennt. Dort kann man sich die Hände reinigen.
Danach kommt der wichtigste Teil: Man stellt sich vor dem Hauptschrein an – wenn man an der Reihe ist, wirft man zuerst eine Münze ein, zieht einmal am Seil mit der Glocke, verbeugt sich zweimal und klatscht anschließend zweimal in die Hände. Danach folgt ein kurzes Gebet – man kann natürlich auch einen Wunsch äußern. Zum Abschluss verbeugt man sich noch einmal.
Das kleine Schrein-Einmaleins ist also schnell gelernt – und ein Besuch ist im ganzen Tokio-Trubel eine sehr angenehme Erfahrung.
Mit diesen zehn Tipps sollte der ersten Reise nach Tokio eigentlich nichts mehr im Wege stehen! Damit man wirklich top vorbereitet ist, gibt es hier noch eine Übersicht zu Apps, die man sich vor der Reise besorgen sollte:
Die wichtigsten Apps für den Tokio-Besuch im Überblick
- Google Maps: Damit ist es fast unmöglich, sich zu verlaufen.
- Klook: Verbreitete App, um Ausflüge und Transfers zu buchen.
- Tabélog und TableCheck: Zwei ebenfalls verbreitete Apps, um Tische in Restaurants zu reservieren.
- Suica: Hier ist für Touristen vor allem die Handy-Version als Welcome Suica Mobile zu empfehlen.
- Google Translate: Wer Speisekarten usw. verstehen möchte, kann den japanischen Text mit der Kamera dieser App aufnehmen und erhält die (manchmal etwas freie) Übersetzung.
- Ubigi: Wer diese ganzen Apps nutzen möchte, benötigt natürlich auch ein japanisches Netz – Ubigi ist ein recht gutes Service für Reisende. Wichtig: Die App sollte schon in der EU besorgt und das Guthaben bezahlt werden, damit man gleich nach der Landung in Tokio Handy-Empfang hat (die Leitung aus Österreich sollte man deaktivieren, um sehr teure Roaming-Gebühren zu vermeiden).













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