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Zoku: Das Hotel, das seine Betten versteckt

Veröffentlicht am 03.07.2021

Das Home-Office-Hybrid wurde vor kurzem in Wien eröffnet. ReiseInsider hat das Haus getestet.

Versteckt oben hinter der Lamellenwand befindet sich das Bett. © ReiseInsider Das Bett wird über eine ausfahrbare "Gangway" erreicht. © ReiseInsider (Zugige) Koje zum Schlafen. © ReiseInsider Tisch und Couch. © ReiseInsider Auch eine Küche findet man im Zoku-Loft. © ReiseInsider Sensationeller Ausblick vom Dach. © ReiseInsider

Sind wir mal ehrlich: Gefühlte 99 Prozent aller Hotelzimmer sind vom Aufbau her im Wesentlichen gleich: Ganz zentral das Bett, verstreut rundherum meistens eine Anrichte, ein Tisch, ein Fernseher und die eine oder andere Sitzgelegenheit. Das hat sich ganz gut bewährt - so lange man dort hauptsächlich schlafen möchte.

Anders sieht es allerdings aus, wenn man in einem Hotelzimmer auch arbeiten oder sich eine Kleinigkeit kochen möchte - da wird man bei den meisten Beherbergungsbetrieben nicht ganz so gut aussteigen. Wie auch: Die Zimmer sind in aller Regel nur begrenzt groß - und die eierlegende Wollmilchsau (die alles vom Arbeitsplatz bis zur Küche bietet) gibt es ja bekanntermaßen nicht.

Oder etwa doch? Eine (noch) kleine Hotelkette möchte diesen Spagat schaffen: Zoku heißt das von Hans Meyer und Marc Jongerius gelaunchte Projekt. Nach dem Start in Amsterdam 2016 wurden nach einer längeren Pause 2021 zwei Häuser in Kopenhagen und Wien eröffnet - letzteres wurde von ReiseInsider genauer unter die Lupe genommen.

Tatsächlich ist an Zoku so einiges anders: Das (nach Eigendefinition) "Home-Office-Hybrid" verlagert den Schwerpunkt des Hotelzimmers - hier "Loft" genannt - weg vom Bett. Dieses kann man im übrigen sehr leicht übersehen, wenn man eines der Zimmer betritt. Es ist nämlich erhöht in einer Art Koje hinter Holzlamellen versteckt, die man erst nach Ausfahren einer Stiege erklimmen kann.

Zentral im Raum befindet sich ein Tisch, der zum Arbeiten, Essen, Sozialisieren oder anderen Dingen genutzt werden kann. Eine Couch samt kleinem Tischchen lädt für die gemütlicheren Stunden ein. Jenen, die sich kulinarisch selbst versorgen wollen, steht eine recht gut ausgestattete "Kombüse" mit kleinem Herd, Kühlschrank, Mikrowelle und Geschirrspüler zur Verfügung. Gut durchdacht sind viele kleine Details - wie beispielsweise ausreichend Stauraum mit Laden und Kästchen, die über das gesamte Zimmer verteilt sind. Zoku will schließlich auch Gäste empfangen, die hier etwas länger absteigen wollen - und die wollen nicht aus dem Koffer leben.

Ziemlich cool ist auch, dass es in jedem Stockwerk eine Pantry gibt, aus der man sich vom Toaster über zusätzliche Polster bis hin zum Staubsauger vieles aufs Zimmer holen kann, was das Leben praktisch erleichtert. Eine nette Idee ist auch, dass man die Bilder im Zimmer austauschen kann - dazu gibt es den "Art Swap".

Das Zoku stellt sich also ganz in den Zeitgeist von digitalen Nomaden und Menschen, die auch von unterwegs einen vernünftigen Platz - nicht nur - zum Übernachten suchen. Abgesehen von den Lofts gibt es in Wien im obersten Stock auch Co-Working-Spaces sowie eine Bar-Restaurant-Kombi samt coolem Rooftop mit Blick über den Prater und die Stadt.

Das Konzept Zoku (der Name kommt übrigens aus dem Japanischen und steht für Familie oder Clan) klingt zumindest auf dem Papier gut - aber bewährt es sich auch in der Wirklichkeit? Ja - im Wesentlichen schon. Die Zimmer erfüllen tatsächlich ihren Zweck sehr gut. Optimieren könnte man die ziemlich kratzige Couch - und vor allem die Lüftung, die die Schlafkoje zu einer recht "zugigen" Angelegenheit macht. Ansonsten gibt es hier in der Tat wenig auszusetzen. Sehr zuvorkommend ist das Personal im obersten Stock - hier originellerweise "Sidekick" genannt.

Zoku ist also ein durchaus innovativer Player auf dem Hotelmarkt. Das Konzept, ein multifunktionales Hybrid-Hotelzimmer für bestimmte Reisende zu schaffen, die im Hotel nicht nur schlafen wollen, geht jedenfalls nicht nur auf dem Papier sondern auch im Test gut auf!

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