Da stand ich nun in Kanada, voller Vorfreude auf einen abwechslungsreichen Roadtrip, der mich in den nächsten Tagen mit kleinen Abstechern ins Landesinnere immer entlang des Sankt-Lorenz-Stroms bis zum Lake Ontario führen sollte. Bevor ich jedoch mit meiner Roadstory beginne, möchte ich noch die Frage klären, warum ich mich dieses Jahr für Kanada und nicht für die Vereinigten Staaten als Reiseziel entschieden habe.
Nun ja, für Kanada und Montreal als Ausgangspunkt meines Roadtrips sprachen gleich zwei Gründe: einerseits die vergleichsweise unkomplizierte Anreise mit einem Direktflug aus Wien, andererseits der Umstand, dass Kanada auf mich derzeit schlicht einladender wirkt als die Vereinigten Staaten. Dass der US-Tourismus zuletzt zumindest aus Übersee schwächer lief, lässt sich auch an den Zahlen ablesen: Von Jänner bis Mai 2026 lagen die Überseeankünfte in den USA laut der US-amerikanischen National Travel and Tourism Office um 4,3 Prozent unter dem Vorjahresniveau.
Knapp neun Stunden dauert der Direktflug zwischen Wien und Montreal, das wegen seiner Architektur, Kultur und französischen Lebensart gerne auch als das "Paris Nordamerikas" bezeichnet wird. Mein Premium-Economy-Flug mit Austrian Airlines an Bord einer Boeing 767-300ER war kurzweilig und wurde durch eine freundliche Crew und gute Verpflegung zusätzlich angenehm gestaltet. Kaum in Kanada angekommen, waren die Einreiseformalitäten dank meiner vorab über ArriveCAN ausgefüllten Zoll- und Einreiseerklärung in gerade einmal zehn Minuten erledigt. Die Advance Declaration kann bis zu 72 Stunden vor der Ankunft übermittelt werden.
Montreal - ein Stück Paris in Nordamerika
Mein Flug aus Wien landete planmäßig am frühen Nachmittag. Wer Montreal besichtigen möchte, benötigt keinen Leihwagen. Den kann man sich während des Aufenthalts getrost sparen, denn die französischsprachige Stadt lässt sich gut zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erkunden.
Für die Fahrt ins Stadtzentrum bieten sich mehrere Möglichkeiten an. Besonders unkompliziert ist der Flughafenbus 747, der derzeit (August 2026) 11,25 CAD pro Person kostet und gleichzeitig als 24-Stunden-Ticket für Bus, Metro, Exo-Züge und den REM in Zone A gilt. Zu zweit oder mit viel Gepäck kann allerdings auch Uber eine bequeme Alternative sein. Zeit ist auf dieser Reise ohnehin ein Thema: Rund 1.800 Kilometer durch Ontario und Québec in 13 Tagen können durchaus als sportliches Programm gelten.
Wer den Jetlag nach der Ankunft in Kanada überwinden und nicht mitten in der Nacht aufwachen möchte, sollte den frühen Nachmittag - oder besser gesagt den Abend nach österreichischer Zeit, denn Montreal liegt sechs Stunden hinter Wien - nutzen und noch etwas unternehmen. So versuchte ich, meine Müdigkeit bei einem Spaziergang durch das belebte Chinatown und das Quartier des Spectacles zu überwinden, wo bei meiner Ankunft gerade ein kunterbuntes Straßenfest stattfand.
Der Erfolg meines Unterfangens war allerdings überschaubar. Nach einer kurzen Nacht und einem ersten - Achtung - tatsächlich genießbaren Hotel-Filterkaffee ging es daher bereits sehr früh zu Fuß ins rund 15 Minuten entfernte alte Stadtzentrum von Montreal.
In Vieux-Montréal gibt es nicht nur die berühmte Basilika Notre-Dame zu erkunden, sondern auch sehenswerte Gebäude wie den Marché Bonsecours, das Château Ramezay oder das Hôtel de Ville. Der touristische Besuch der Basilika Notre-Dame kostet derzeit ab 16 CAD für Erwachsene. Dabei sollte man allerdings nicht auf einen Abstecher zum nahe gelegenen alten Hafen und zum Grand Quai du Port de Montréal vergessen. Vor den "Bonjour Montréal"-Lettern lassen sich schöne Fotos mit der Stadt als Kulisse schießen.
Einen weiteren ausgezeichneten Ausblick auf Montreal bietet der Mont Royal. Der höchste Punkt des Berges liegt auf 233 Metern. Wer den sportlicheren Aufstieg über den Serpentin-Weg und die Escarpment-Treppe wählt, muss 339 Stufen überwinden, um zum Belvédère Kondiaronk beim Chalet du Mont-Royal zu gelangen. Die Aussicht auf die Innenstadt entschädigt für die Anstrengung.
Einen guten Eindruck von der kulturellen Vielfalt Montreals bekommt man auch im Viertel Mile End und auf dem Plateau Mont-Royal. Hier treffen unterschiedlichste Einflüsse aufeinander – und ganz nebenbei befindet man sich in einem der besten Gegenden der Stadt, um eine weitere Montrealer Spezialität zu probieren.
Denn Montreal ist für seine Bagels bekannt. Wer Lust auf einen hervorragenden Sesam-Ring-Snack hat, sollte im Mile-End-Viertel einen Stopp bei St-Viateur Bagel oder Fairmount Bagel einplanen. Die frischen Bagels kann man dort auch gleich mit Frischkäse, Lachs und anderen Zutaten kombinieren.
Ottawa - die unbekannte Hauptstadt Kanadas
Gestärkt mit einem Montreal-Style-Bagel und Kaffee aus dem Hotel starte ich am darauffolgenden Tag meinen eigentlichen Roadtrip. Mit Uber geht es noch einmal zum Flughafen von Montreal, wo ich meinen Leihwagen übernehme.
Nachdem ich mein Gepäck im Auto verstaut habe, steht plötzlich mein italienischstämmiger Uber-Fahrer Arduino vor mir und überreicht mir grinsend mein Mobiltelefon. Es war mir während der Fahrt unbemerkt aus der Hosentasche gefallen, und Arduino hatte es glücklicherweise noch rechtzeitig entdeckt.
Was ein Urlaub ohne Handy bedeuten würde, wenn dieses gleichzeitig als Navigationshilfe, Kreditkarte und für vieles mehr dient, dürfte jedem klar sein. Ein saftiges Trinkgeld ist daher das Mindeste, mit dem ich mich bei Arduino für seinen Extraservice bedanken kann. Dank seiner Hilfe habe ich schließlich nicht nur Kosten und Nerven gespart, sondern wohl auch meinen Urlaub gerettet.
Auf halbem Weg zwischen Montreal und Ottawa liegt der Parc Omega, bei dem ich einen ersten Stopp einlege. Erinnern Sie sich noch an den Safari-Park in Gänserndorf? Falls nicht: Im Parc Omega fährt man, ganz ähnlich wie früher in Gänserndorf, mit dem eigenen Pkw durch einen rund zwölf Kilometer langen Trail. Mehr als 20 Tierarten der nördlichen Hemisphäre lassen sich dabei beobachten. Hirsche kommen bis ans Autofenster und dürfen mit Karotten gefüttert werden; außerdem sind unter anderem Bisons, Wölfe und Bären zu sehen. Ein Erlebnis, das ich nur empfehlen kann.
Danach geht es weiter in die kanadische Hauptstadt Ottawa, die auf den ersten Blick so gar nichts mit Montreal gemeinsam hat. Wie mir einer der Tourguides am Parliament Hill erzählt, ist Ottawa einen Tick entspannter als der große Bruder Montreal. Das Stadtzentrum wirkt insgesamt ruhiger und sehr gepflegt.
Das politische Herz der Stadt schlägt am Parliament Hill mit seinen neugotischen Gebäuden. Der Centre Block mit dem markanten Peace Tower wird derzeit allerdings umfassend restauriert und soll nach aktuellem Zeitplan erst nach Abschluss der Hauptarbeiten 2030/31 wiedereröffnet werden. Währenddessen tagt das Unterhaus im West Block, der Senat in der ehemaligen Union Station.
Zum sommerlichen Pflichtprogramm gehört die Changing of the Guard. 2026 ist die kostenlose Zeremonie vom 1. Juli bis 14. August täglich um 10 Uhr angesetzt; das volle Paradeprogramm findet von Donnerstag bis Sonntag statt. Die Soldaten in scharlachroten Uniformen und Bärenfellmützen liefern jedenfalls genau jenes Bild, das man in Kanada durchaus mit britischer Tradition verbindet.
Leider fiel die Wachablöse an meinem Besuchstag aus. Sommerlicher Regen und militärische Zeremonien sind offenbar nicht immer die beste Kombination. Also plante ich meinen Aufenthalt kurzfristig um und fuhr weiter Richtung Süden bis zu den Niagarafällen.
Autofahren in Kanada wird zum Geduldsspiel
Die Etappe zwischen Ottawa und den Niagarafällen ist mit mehr als 500 Kilometern kein kurzer Hüpfer. Dazu kommt: Wer von deutschen oder österreichischen Autobahnen anderes gewohnt ist, muss sich beim Tempo umstellen. In Québec gilt auf Autobahnen grundsätzlich maximal 100 km/h. Ontario hebt 2026 auf zahlreichen Autobahnabschnitten das Limit von 100 auf 110 km/h an; je nach Strecke und Zeitpunkt der Umstellung gelten daher 100 oder 110 km/h. Auf Landstraßen liegt das Limit häufig darunter.
Autofahren in Ontario und Québec ist selbst in den Großstädten mit Navigationshilfe kein großes Problem. Auf langen Überlandetappen braucht es aber Geduld. Dafür bleibt mehr Zeit, die Landschaft wahrzunehmen: Wälder wechseln sich mit Seen ab, an denen man am liebsten immer wieder eine Rast einlegen würde, dazwischen liegen Farmen und Privathäuser mit Rasenflächen, auf denen man mühelos Golf spielen könnte.
Nach rund sechseinhalb Stunden erreichte ich schließlich Niagara Falls. Die Stadt zählte bei der kanadischen Volkszählung 2021 genau 94.415 Einwohner und wirkt auf den ersten Blick ein wenig wie "Little Las Vegas". Wer Freude an schrillem Entertainment hat, kommt hier jedenfalls auf seine Kosten.
Die Wasserfälle selbst sind natürlich der eigentliche Magnet. Nach Angaben von Niagara Falls Tourism besuchen rund zwölf Millionen Menschen pro Jahr die Stadt; in der gesamten Niagara-Region sind es etwa 14 Millionen.
Mein Auftrag für den Folgetag lautete: in ein Boot steigen und einmal mitten durch die Gischt der Wasserfälle fahren. Die Touren von Niagara City Cruises führen auf der kanadischen Seite ganz nahe an die Horseshoe Falls heran. Wer die Niagarafälle besucht, sollte sich dieses großartige Erlebnis nicht entgehen lassen. Für mich gehört es jedenfalls zu jenen "Once-in-a-Lifetime"-Erlebnissen, die man nicht so schnell vergisst.
Nachdem ich am südlichsten Punkt meiner Reise angekommen war und es mich nach den Wasserfällen nicht mehr lange in Niagara Falls hielt, ging es wieder Richtung Norden - weiter nach Toronto.
Toronto - The Big Smoke
Toronto hat viele Namen - "The Big Smoke" ist nur einer davon. Heute ist die Stadt die größte Kanadas und seit der Gründung der Provinz Ontario im Jahr 1867 deren Hauptstadt.
Die Geschichte der Region reicht natürlich viel weiter zurück. Lange vor der europäischen Besiedlung lebten hier indigene Gemeinschaften. Die Franzosen errichteten 1750/51 Fort Rouillé, auch Fort Toronto genannt; die eigene Garnison zerstörte den Handelsposten im Juli 1759 im Verlauf des Siebenjährigen Krieges. Das britisch geprägte York entstand ab 1793. 1834 wurde die Stadt schließlich als Toronto inkorporiert.
Unübersehbares Wahrzeichen ist der CN Tower. Der 553 Meter hohe Turm wurde am 26. Juni 1976 für die Öffentlichkeit eröffnet und feiert damit 2026 sein 50-jähriges Jubiläum. Bis 2009 galt er als höchstes freistehendes Bauwerk der Welt, ehe ihn der Burj Khalifa in Dubai übertraf. Ursprünglich wurde der Turm von der staatlichen Bahngesellschaft Canadian National errichtet; seit 1995 gehört er der Canada Lands Company. Die Aussicht auf Toronto und den Ontariosee ist nach wie vor spektakulär.
Toronto lässt sich ebenso wie Montreal sehr gut zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erkunden. Ich habe im Rahmen einer "Free Walking Tour" die Dienste von Rene Samulewitsch (Instagram: rene.and.i) in Anspruch genommen - und es nicht bereut.
Der Deutsche, der seit 30 Jahren in Kanada lebt, ist Weltenbummler und Toronto-Liebhaber. Entsprechend spannend waren seine Geschichten über die Entstehung und das alltägliche Leben in der Stadt. Zahlreiche amüsante Hintergrundgeschichten machten die rund dreistündige Tour durch die Alt- und Neustadt zu einem echten Erlebnis.
Food-Lovers sollten in Toronto unbedingt einen Stopp im St. Lawrence Market einplanen. Die Markttradition an diesem Ort reicht bis ins Jahr 1803 zurück. Besonders interessant ist auch die Geschichte des heutigen South Market: Teile des Gebäudes dienten von 1845 bis 1899 als Rathaus von Toronto; hier befanden sich damals unter anderem auch die Polizeistation und Arrestzellen. Heute wartet der Markt vor allem mit einer großen Auswahl an Fleisch, Fisch, Käse, Backwaren und anderen regionalen Spezialitäten auf.
Der krönende Abschluss meines Aufenthalts in Toronto war am folgenden Tag eine Fahrt mit den Toronto Island Ferries. Vom Jack Layton Ferry Terminal fahren die städtischen Fähren zu Centre Island, Hanlan’s Point und Ward’s Island. Ich entschied mich für Hanlan’s Point in der Nähe des Billy Bishop Toronto City Airport. Ein Erwachsenen-Retourticket kostet derzeit 9,11 CAD - und die Aussicht auf Downtown Toronto gibt es gleich dazu.
Wie meine Tour weitergeht, lesen Sie in Kürze in Teil 2 meines Roadtrip-Reports durch Ontario und Québec.

















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