Die deutsche Lufthansa wirbt auf ihrer Website mit einem Dublin-Reisebericht einer Flugbegleiterin unter dem Titel "A Perfect Day - Dublin an einem Tag". Ganz ehrlich: Um eine Stadt wie Dublin wirklich zu entdecken, reichen weder 120 Minuten noch ein ganzer Tag aus. Ein Wochenende sollte man mindestens einplanen, wenn man der irischen Hauptstadt gerecht werden möchte. Dennoch zeigen die folgenden Zeilen, dass auch etwas verrückte Reiseideen umsetzbar sind - wenngleich entspanntes Reisen definitiv anders aussieht.
Eigentlich wollte ich mit einem Tagesausflug nach Budapest meine Reisesaison 2026 eröffnen. Als ich jedoch feststellte, dass ein Ryanair-Flug nach Dublin günstiger war als die Zugverbindung nach Budapest, fiel die Entscheidung spontan anders aus.
Verspäteter Start in ein stressiges Abenteuer
Ein sonniger Dienstagmorgen am Flughafen Wien. Nach gefühlt 20 Tagen Wintergrau zeigt sich erstmals wieder die Sonne. Eigentlich ein perfekter Tag, um zuhause zu bleiben - doch ich hatte mich bereits drei Wochen zuvor für einen Tagesausflug nach Dublin entschieden. Gebucht bei der viel kritisierten Billigfluglinie Ryanair um unglaubliche 35 Euro für den Retourflug inklusive Steuern.
Ich habe meine Bedenken in Sachen Umweltschutz an diesem Tag bewusst zur Seite geschoben und bin gemeinsam mit zwei Freunden unterwegs. Das macht nicht nur mehr Spaß, sondern hilft auch, die restlichen Kosten vor Ort - etwa für Taxis - zu reduzieren. Das einzige Ziel dieses eigentlich völlig unsinnigen Ausflugs: In einem irischen Pub ein frisch gezapftes Guinness mit Freunden zu trinken. Sollte darüber hinaus noch etwas Zeit für Sightseeing bleiben, umso besser.
Der Start verlief allerdings holprig: Der Ryanair-Flug FR 7007 hob mit rund 50 Minuten Verspätung erst um 12:00 Uhr in Wien ab. Nach einem kurzweiligen Flug in beengten Verhältnissen an Bord einer Boeing 737 MAX ("you get what you pay") landeten wir gegen 13:40 Uhr Ortszeit mit etwa einer Stunde Verspätung in Dublin. Aufgrund des engen Zeitplans ging es direkt mit einem Bolt-Taxi ins Stadtzentrum. Während der rund 30-minütigen Fahrt folgten wir der Empfehlung unseres irischen Fahrers und beschlossen, unsere Besichtigung beim Trinity College zu beginnen.
Das Wetter beim Verlassen des Taxis war - typisch irisch. Kalter Wind und leichter Regen begrüßten uns in der Hauptstadt. Was für einen Österreicher recht unangenehm wirkt, scheint für die Einheimischen kein Problem zu sein: Während einige junge Dubliner in kurzen Hosen unterwegs sind, verkriechen wir uns in unsere Winterjacken.
Nach dem Durchschreiten des Eingangsportals erreichen wir den imposanten Parliament Square, der einen guten Rundumblick auf die historischen Gebäude der ältesten Universität Dublins bietet. Das Trinity College wurde bereits 1592 gegründet und zieht bis heute Studierende aus aller Welt an. Die bekannteste Sehenswürdigkeit der Universität ist zweifellos die 1792 errichtete Trinity Library. Mit rund 4,5 Millionen Bänden ist sie die größte Bibliothek Irlands und kann gegen Eintritt besichtigt werden. Der 65 Meter lange Long Room erinnert nicht zufällig an einen Harry-Potter-Film.
Für einen Bibliotheksbesuch reichte die Zeit leider nicht mehr. Dennoch vermittelte bereits der Rundgang über den zentralen Platz einen eindrucksvollen Eindruck von der langen Tradition der Universität.
Die berühmte Brust von Molly Malone
Verlässt man das Trinity College durch den Haupteingang und biegt wenige Meter weiter links ab, erreicht man über die Church Lane eine der bekanntesten - und kuriosesten - Sehenswürdigkeiten der Stadt. 1988 wurde vor der St. Andrew’s Church eine Statue der fiktiven Fischverkäuferin Molly Malone aufgestellt, deren Name einem berühmten irischen Volkslied entstammt.
Im Jahr 2014 lösten findige Tourismusmanager mit einer frei erfundenen Geschichte - wonach das Berühren des bronzenen Busens Glück bringen soll - einen regelrechten Hype aus. Dieser führte dazu, dass Maßnahmen notwendig wurden, um die Statue vor übermäßiger Abnutzung zu schützen. Auch der Stadtrat reagierte auf die als frauenfeindlich kritisierte Tradition und stellte Blumentröge rund um die Figur auf. Wie ein Besuch vor Ort zeigt, lassen sich viele Touristen davon allerdings weiterhin nicht abhalten.
Temple Bar ist nicht nur ein Stadtteil Dublins, sondern auch die wohl bekannteste Unterhaltungsmeile Irlands. Das Viertel liegt südlich des Flusses Liffey, unweit der berühmten Ha’penny Bridge - einer gusseisernen Fußgängerbrücke aus dem 19. Jahrhundert, die heute ein beliebtes Fotomotiv ist.
Temple Bar hat sich mit seinen kopfsteingepflasterten Gassen viel von seinem ursprünglichen Charakter bewahrt und ist zugleich ein kreatives Viertel, wie die zahlreich bemalten Häuserfassaden zeigen. Namensgeber und Herzstück ist die gleichnamige Bar, die selbst Ende Jänner noch im weihnachtlichen Lichterglanz erstrahlt und auch tagsüber gut besucht ist.
Nur einen kurzen Fußmarsch entfernt liegt mit dem Dublin Castle eines der ältesten Gebäude der Stadt. Ursprünglich im 10. Jahrhundert errichtet, wurde es im Laufe der Geschichte mehrfach erweitert. Generell lässt sich sagen, dass sich die meisten Sehenswürdigkeiten Dublins in einem Radius von rund einem Kilometer befinden - ideale Voraussetzungen, um die Stadt zu Fuß zu erkunden.
Der letzte Programmpunkt unseres Blitzbesuchs war ein Abstecher zur Christ Church Cathedral. Die mittelalterliche Kirche war einst Sitz der katholischen Kirche Irlands und gehört heute zur Church of Ireland. Das Bauwerk beeindruckt durch seine komplexe Architektur aus mehreren Baukörpern. Wer einen Blick ins Innere werfen möchte, sollte jedoch beachten, dass der Eintritt mit 16 Euro nicht ganz günstig ist.
Wir entschieden uns, das Geld lieber in ein kühles Guinness zu investieren. Im The Lord Edward, einem einfachen, gemütlichen Pub mit großer Bierauswahl und freundlichem Barkeeper, fanden wir Zuflucht vor dem immer stärker werdenden Regen. Hier ließen wir unseren kurzen Dublin-Aufenthalt ausklingen, bevor es mit dem Taxi zurück zum Flughafen ging.
Für einen Besuch des Guinness Storehouse reichte die Zeit leider nicht mehr. Wer jedoch länger in Dublin bleibt, sollte sich diese Attraktion nicht entgehen lassen: Neben spannenden Einblicken in die Braukunst wartet am Ende eine Verkostung mit Ausblick über die Stadt.
ReiseInsider-Infos:
Anreise
Mehrmals wöchentlich verkehren verkehrt von Wien aus sowohl die irische Low-Cost-Fluglinie Ryanair (www.ryanair.com) als auch Aer Lingus (aerlingus.com) in Richtung Dublin.
Reisezeit
Für einen Besuch empfiehlt sich das "kurze Sommerzeitfenster" (O-Ton Taxifahrer in Dublin) im Juli/August, ansonsten kann man fast immer mit dem typisch irischen Regen rechnen. Infos zu Dublin bzw. Irland finden sich unter visitdublin.com und ireland.com.
Lufthansa-Städtetipp

















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