Hunderte Kilometer Adriaküste, geschichtsträchtige Orte und die Universitätsstadt Bari locken jährlich mehr als 6,7 Millionen Gäste nach Apulien. ReiseInsider war einer von ihnen und hat sich dieser Tage im Rahmen einer 14-stündigen Kurzreise nach Apulien auf die Suche nach den malerischen Drehorten des James-Bond-Films "Keine Zeit zu Sterben" gemacht.
Der Filmtourismus boomt und wer einen Blick ins World Wide Web wirft, wird schnell erkennen, wie stark die Branche das Potenzial von Reisen zu berühmten Filmdrehorten entdeckt hat. Doch nicht nur organisierte Touren und Location-Führungen werden angeboten - zahlreiche Webseiten wie filmtourismus.de oder für James-Bond-Liebhaber bondlocations.com geben praktische Tipps, um die Drehorte auf eigene Faust zu erkunden.
James-Bond-Fans werden sich an den 25. Bond-Film erinnern - übrigens den fünften und letzten mit Daniel Craig in der Rolle des berühmtesten Geheimagenten der Welt. In "Keine Zeit zu Sterben" wird dieser nach einem missglückten Bombenanschlag gleich zu Beginn des Films von den Männern der Spectre-Organisation im und rund ums italienische Matera gejagt.
Zunächst noch zu Fuß, wo sich Bond mit einem gewagten Sprung von der Ponte Acquedotto retten kann (diese befindet sich übrigens nicht in Matera, sondern im rund 30 Kilometer entfernten Städtchen Gravina). Nach einem Zweikampf mit einem seiner Spectre-Widersacher gelingt ihm die Flucht mit dessen Motorrad durch die engen Gassen der hügeligen Stadt. Die wohl berühmteste Anfangsszene des Films endet schließlich auf der Via D’Addozio im Stadtteil Sassi, wo James Bond gemeinsam mit seiner Filmpartnerin Madeleine Swann mit seinem Aston Martin DB5 unter rotierenden Maschinengewehrsalven und quietschenden Reifen einen 360-Grad-"Donut" dreht und ihnen so die Flucht aus Matera gelingt.
Keine Zeit zu Reisen
Wäre vielleicht der treffendere Titel für diese Reisegeschichte, die ReiseInsider Mitte April für nur rund 14 Stunden nach Apulien brachte. Doch dank eines verlockend günstigen Tagesrandangebotes mit dem irischen Billigflieger Ryanair entstand die Idee zu einem spontanen Frühlingsausflug in den Süden Italiens.
Nach einem rund 80-minütigen Flug landet man von Wien kommend am Flughafen Bari, von wo unsere Mietwagentour durch Apulien startete. Autofahren in Süditalien ist generell kein Problem, die Straßen sind gut ausgeschildert, wenngleich Schlaglöcher keine Seltenheit sind.
Nachdem die berühmte Ponte Acquedotto, von der sich Bond mit einem Seil in die Tiefe stürzte, auf dem Weg nach Matera liegt, galt diese meinem ersten Stopp - nach rund einer Stunde Fahrzeit. Die Geschichte der sehenswerten Aquädukt-Brücke geht auf das 17. Jahrhundert zurück. Die 37 Meter hohe, 90 Meter lange und 5,5 Meter breite Brücke verbindet die beiden Ufer des Flusses Gravina und wurde einst errichtet, um Gläubigen die Überquerung der Schlucht von Botromagno zu ermöglichen. Die Umwandlung von einer Brücke in ein Aquädukt erfolgte erst im 18. Jahrhundert.
Bei meinem Besuch zeigte sich das verschlafene Gravina von seiner schönsten Seite: Die Sonne strahlte vom Himmel und ein Meer aus Naturblumen umgab die malerische Szenerie der historischen Steinbrücke.
Felsenstadt Matera
Einst das Armenhaus der Region, heute das touristische Highlight eines jeden Apulien-Aufenthaltes: Matera verdankt seine Bekanntheit vor allem den jahrhundertealten Höhlenwohnungen, die teilweise noch bis in die 1950er-Jahre bewohnt waren. Aus der Not heraus schlugen die Menschen der Region Höhlenwohnungen in den Tuffstein, die anschließend mit Fassaden verkleidet wurden.
Matera ist förmlich eine „Stadt der Steine“ und erst in den 1980er-Jahren erkannte man den kulturellen Wert der malerischen Altstadt. Nachdem die Höhlenwohnungen schrittweise renoviert worden waren, setzte ein touristischer Boom rund um das heutige UNESCO-Weltkulturerbe ein.
Auch die Produzenten des James-Bond-Films "Keine Zeit zum Sterben" fanden - wie schon zahlreiche Filmschaffende zuvor - die Steinkulisse der Stadt Matera beeindruckend und setzten den Geheimagenten Ihrer Majestät in den engen Gassen der Stadt entsprechend spektakulär in Szene (Video auf YouTube).
Wer fit genug ist, die tausenden Stufen des hügeligen Matera zu überwinden, wird mit wundervollen Ausblicken belohnt - etwa von der Piazza San Pietro Caveoso, wo die erwähnte Donut-Szene gedreht wurde, oder von der Piazza Duomo, dem Vorplatz der Kathedrale von Matera. Ein Besuch der im 13. Jahrhundert im apulisch-romanischen Stil erbauten Kirche sei an dieser Stelle empfohlen: Von außen erscheint das Gotteshaus eher unscheinbar, doch die wahre Schönheit offenbart sich im Inneren, wo besonders die bemalte Holzdecke ins Auge sticht.
Von seiner schönsten Seite soll sich Matera in den Abendstunden zeigen, wenn die Sonne langsam über der Stadt untergeht und die Steinbauten in ein besonderes Licht taucht. Leider reichte während unseres ReiseInsider-Kurzaufenthaltes die Zeit dafür nicht aus, weshalb die Erkundungstour im rund eine Autostunde entfernten Alberobello ihren Abschluss fand.
Hauptstadt der Trulli
Schon einmal etwas von Alberobello, der Hauptstadt der Trulli, gehört? Nein? Das macht nichts, denn erst bei meinen Recherchen zu Apulien stieß auch ich auf diesen interessanten Ort.
Das Besondere an Alberobello sind seine weißen Kalksteinhäuser mit kegelförmigen Steindächern, auch "Zipfelmützen" genannt, die mit christlichen Symbolen versehen sind und seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören.
Die ältesten Gebäude sind bis zu 300 Jahre alt, wobei auch heute noch neue Trulli-Häuser in der Region errichtet werden. Der Legende nach galten die Häuser nicht als "richtige" Gebäude, da sie aus lose gestapelten Steinplatten gebaut wurden und sich dadurch leicht wieder zerlegen ließen. Der Vorteil: Kamen Steuereintreiber nach Alberobello, mussten aufgrund dieser Bauweise keine Abgaben entrichtet werden.
Heute lebt die Stadt vor allem von ihrer Geschichte und ihrem romantischen Charme, wobei die zunehmenden Touristenmassen nur selten ruhige Momente in den engen Gassen zulassen. Dennoch empfand ich den Besuch in Alberobello als sehr interessant und dank des strahlend blauen Himmels, der einen wunderbaren Kontrast zu den weißen Gebäuden bildete, gelangen auch schöne Fotos der Trulli-Häuser.
Mein Resümee
Apulien erlebte 2025 ein Rekordjahr im Tourismus mit über 22,6 Millionen Nächtigungen. Zu diesem Erfolg haben vor allem internationale Gäste beigetragen, deren Zahl im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 25 Prozent gestiegen ist. Treiber dieser Entwicklung sind unter anderem die Low-Cost-Airlines, die schlussendlich auch zu so einer skurrilen Reise wie diesem ReiseInsider-Test geführt haben.
Vierzehn Stunden sind nicht viel und für einen Aufenthalt in Apulien definitiv zu wenig. Mein Blitzbesuch vermittelte mir aber einen ersten Eindruck - gewissermaßen ein Antipasto - mit dem Ergebnis, dass ich zu einem späteren Zeitpunkt gerne noch einmal für eine Piatto principale nach Apulien zurückkehren möchte.
Und weil wir gerade beim italienischen Essen sind: Ihren krönenden Abschluss fand die Reise bei einem Abendessen in der Altstadt von Bari. Bei Wein und Pasta wurden bereits Pläne für einen neuerlichen Apulien-Besuch geschmiedet.
Apulien-Infos
Interessante Informationen zu den „Must-see“-Plätzen Apuliens finden sich unter: viva-italia.it
Matera: materaturismo.it
Alberobello: alberobello.com
Anreise
Ryanair (www.ryanair.com) verkehrt bis zu elfmal wöchentlich zwischen Wien und Bari.
Austrian Airlines (www.austrian.com) fliegt dreimal wöchentlich nonstop beziehungsweise via das Lufthansa-Drehkreuz München.
Leihwagen
Pakete bietet unter anderem www.sunnycars.at.













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