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Virgin Voyages im Portrait

Erstellt von Martin Metzenbauer.  Veröffentlicht am 05.01.2026

Was bietet die Kreuzfahrtlinie von Richard Branson - und für wen eignet sie sich?

Die Scarlet Lady war das erste Schiff der Flotte und wurde 2021 in Dienst gestellt. © ReiseInsiderDas weltberühmte Virgin-Logo findet sich natürlich auch auf den Schiffen. © ReiseInsiderSehr elegantes Atrium der Scarlet Lady. © ReiseInsiderGeradliniges Design in der Sea Terrace Balkonkabine. © ReiseInsiderBad: Aufgeräumt und ausreichend groß. © ReiseInsiderZum entspannten Abhängen gibt es auf den Balkonen rote Hängematten. © ReiseInsiderDer nicht allzu große Poolbereich bei Nacht. © ReiseInsiderBeef aus dem "Labor" Test Kitchen. © ReiseInsiderÜber fein zubereitete Desserts konnte man sich ebenfalls freuen - hier eines aus The Wake. © ReiseInsiderIm Red Room finden allerlei Veranstaltungen statt - wie hier der Auftritt eines Comedian. © ReiseInsiderRund 86 Prozent der Kabinen der Virgin Voyages Schiffe besitzen Balkone. © ReiseInsider

Wer sich nicht auf die im deutschsprachigen Raum bekannten Klassiker wie Costa, MSC, Aida oder TUI Cruises beschränkt, findet eine große Auswahl an Reedereien, die sich an ein internationales, überwiegend englischsprachiges Publikum richten und hierzulande teilweise noch wenig bekannt sind. Auf ReiseInsider haben wir bereits - unter anderem - die Holland America Line sowie Royal Caribbean ausführlich vorgestellt.

Ein bei uns bislang kaum bekanntes Schifffahrtsunternehmen ist Virgin Voyages. An dieser Reederei ist unverkennbar die Virgin Group von Sir Richard Branson federführend beteiligt. Bekannt ist die Gruppe unter anderem für die Fluglinie Virgin Atlantic, das Plattenlabel Virgin sowie zahlreiche weitere Gründungen - vom Fitnessstudio über Raumfahrtprojekte bis hin zur Bank.

Von der Idee zur ersten Kreuzfahrt: Die Entstehung von Virgin Voyages

Die Idee für eine eigene Reederei wurde bereits Anfang der 2010er-Jahre konkretisiert. Offiziell wurde Virgin Voyages - damals noch unter dem Namen Virgin Cruises - im Jahr 2014 gegründet. Bis das erste Schiff tatsächlich in See stach, dauerte es allerdings noch einige Zeit, nicht zuletzt aufgrund der Corona-Pandemie. Im August 2021 war es schließlich so weit: Die Scarlet Lady startete zu ihrer ersten Kreuzfahrt.

In den darauffolgenden Jahren kamen drei weitere, weitgehend baugleiche Schiffe hinzu: Valiant Lady, Resilient Lady und Brilliant Lady. Mit einer BRZ von rund 110.000 und etwa 1.300 Kabinen zählen sie nach heutigen Maßstäben zu den mittelgroßen Kreuzfahrtschiffen. Die Fahrgebiete erstrecken sich aktuell auf Europa, Nordamerika und die Karibik.

ReiseInsider hat eines der Virgin-Schiffe auf einer sommerlichen Mittelmeerkreuzfahrt mit der Scarlet Lady getestet, um den Vor- und Nachteilen sowie den Besonderheiten - derer es einige gibt - dieser insgesamt in den sozialen Medien und Bewertungsportalen sehr positiv beurteilten Reederei auf den Grund zu gehen. Einen kurzen Schiffsrundgang finden Sie auf YouTube: youtu.be/lk-kQ39zRL0.

Buchung bei Virgin Voyages: Kabine wird zugewiesen, Zahlung sofort

Aller Anfang einer Schiffsreise ist die Buchung. Da Virgin Voyages in Österreich bislang wenig verbreitet ist, erfolgte diese online und nicht über ein Reisebüro. Eine Besonderheit zeigte sich dabei insofern, als man grundsätzlich nur die Kabinenkategorie auswählen kann, nicht jedoch eine konkrete Kabine - wie es bei vielen anderen Reedereien gegen Aufpreis möglich ist. Die offizielle Begründung lautet:

„Da alle unsere Kabinen so außergewöhnlich sind, wird Ihnen vor der Abreise automatisch eine Kabine zugewiesen.“

Wer dennoch eine bestimmte Kabine wählen möchte, kann sich an das Callcenter von Virgin Voyages wenden. Nach einem Telefonat konnten wir uns letztlich doch konkrete Kabinen aussuchen, da wir zwei benötigten, die möglichst nahe beieinander liegen sollten.

Der restliche Buchungsprozess verlief unkompliziert, allerdings ebenfalls mit einer Besonderheit: Bei Virgin Voyages gibt es keine klassische Anzahlung, der Reisepreis wird vollständig im Zuge der Buchung beglichen. Alternativ besteht die Möglichkeit, über den Anbieter Flex Pay eine Ratenzahlung zu nutzen.

Ungewöhnlich im Vergleich zu vielen Mitbewerbern: Getränkepakete gibt es nicht. Stattdessen können vorab sogenannte „Bar Tabs“ - also Bordguthaben für Getränke - erworben werden. Diese sind in Höhen von 200 bis 1.000 US-Dollar erhältlich, wobei je nach Betrag ein Bonus von 25 bis 250 US-Dollar gutgeschrieben wird. Trinkgelder sind nicht inkludiert und müssen separat bezahlt werden (kann man aber ebenfalls bereits im Zuge der Buchung erledigen).

Bei den Kabinenkategorien stehen klassische Innen-, Außen- und Balkonkabinen zur Auswahl. Darüber hinaus gibt es Suiten, die - in Anlehnung an die musikalische Vergangenheit von Sir Richard Branson - RockStar Quarters genannt werden.

Einschiffung und Bordkarte: „The Band“ statt Plastikkarte

Die Einschiffung unserer Reise, die in Barcelona begann, war gut organisiert, allerdings nicht besonders schnell. Sie erfolgte zeitlich geblockt, die Wartezeit betrug rund eine Stunde. Suitengäste profitieren von einem separaten Zugang und gelangen deutlich schneller an Bord.

Statt einer klassischen Zimmerkarte erhält man bei Virgin Voyages The Band - ein Wearable mit integriertem RFID-Chip. Damit lassen sich die Kabinentür öffnen, Zahlungen an Bord tätigen sowie das Ein- und Auschecken bei Landgängen erfassen. Ein praktisches und zugleich stilistisch gut passendes Detail.

Kabinencheck: Sea Terrace auf der Scarlet Lady

Wir buchten eine Balkonkabine, die bei Virgin Voyages Sea Terrace genannt wird. Rund 86 Prozent der Kabinen auf den vier Schiffen verfügen über einen Balkon - eine im Branchenvergleich sehr hohe Quote.

Der erste Eindruck war durchwegs positiv: Die Kabine wirkte hell und modern, mit Holzelementen und gezielt eingesetzten Farbakzenten wie einem roten Hocker, einem bunten Spiegel oder dem rot-blau verlaufenden Vorhang.

Gesteuert wird vieles über ein Tablet, das intuitiv und zuverlässig funktionierte. Darüber lassen sich Lichtstimmungen einstellen oder die Vorhänge öffnen und schließen. Zur Ausstattung zählen ein Kühlschrank, ein großer Fernseher mit gutem Filmangebot sowie mehrere amerikanische Steckdosen. Eine europäische Steckdose ist ebenfalls vorhanden, ergänzt durch USB-Anschlüsse. WLAN ist je nach gebuchtem Tarif in unterschiedlichen Varianten inkludiert.

Das Stauraumkonzept ist funktional, aber nicht üppig. Für eine einwöchige Reise zu zweit reichte es jedoch aus. Das Bad war ausreichend groß, die Dusche durch eine Glastüre abgetrennt. Der Balkon bot zwei Sessel, einen kleinen Tisch - und eines der Markenzeichen von Virgin Voyages: eine rote Hängematte.

Fazit zur Kabine: Etwas anders als bei klassischen Reedereien, bewusst reduziert und modern. Die Ästhetik ist Geschmackssache - uns hat sie gefallen.

Publikum und Atmosphäre: International, offen und „Adults Only“

Virgin Voyages wird häufig als Party-Reederei wahrgenommen. Tatsächlich merkt man bereits bei der Einschiffung eine lockere, internationale Stimmung. Das Publikum war bunt gemischt, überwiegend englischsprachig und divers - deutschsprachige Gäste waren kaum vertreten.

Der Gästemix hat sich auch beim Ablegen gezeigt, als rund um den Pool eine mitreißende Deckparty mit DJ und „Bubbly“ gefeiert wurde: Das Publikum ist tendenziell eher jünger als bei klassischen Reedereien, wobei sich aber auch ältere und dafür junggebliebene Gäste problemlos einfügen!

Wichtig zu wissen: Virgin Voyages ist strikt „Adults Only“. Eine Buchung ist erst ab 18 Jahren möglich.

Kulinarik auf Virgin Voyages: Premium-Niveau ohne Main Dining Room

Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal gegenüber vielen Mitbewerbern ist das Gastronomiekonzept. Einen klassischen Main Dining Room gibt es nämlich nicht. Stattdessen setzt Virgin Voyages auf zahlreiche kleinere Restaurants mit unterschiedlichen Themen.

Das Buffetrestaurant The Galley erinnert beispielsweise an eine moderne Food Hall und bietet unter anderem Burger, Tacos, Sushi, Pasta, Backwaren und amerikanische Klassiker - qualitativ überzeugend und optisch ansprechend.

Weitere Restaurants sind unter anderem:

  • Extra Virgin (mediterrane Küche)
  • The Wake (Steakhouse)
  • Gunbae (koreanisches BBQ mit Entertainment-Faktor)
  • Pink Agave (mexikanisch inspiriert)
  • Razzle Dazzle (starker Veggie-Fokus)
  • The Test Kitchen (experimentelle Küche im Laborstil)

 

Die meisten Speisen sind im Reisepreis inkludiert. Frühzeitige Reservierungen sind empfehlenswert. Insgesamt bewegt sich das kulinarische Angebot klar auf einem Niveau, das mit anderen Premium-Anbietern zumindest vergleichbar ist.

Sport, Entertainment und Scarlet Night

An Bord gibt es zwei hervorragend ausgestattete Fitnessbereiche, Group-Fitness-Angebote, einen Boxring, Outdoor-Yoga und einen Joggingtrack. Wer sich also bewegen möchte, hat viele Möglichkeiten dazu. Ein Spa findet man natürlich auch an Bord.

Zentrum des Entertainments ist der Red Room mit wechselnden Shows und Live-Performances. Höhepunkt jeder Reise ist die Scarlet Night, eine groß inszenierte Themenparty rund um die Farbe Rot. Ergänzt wird das Programm durch DJ-Sets, Themenpartys wie die PJ Party sowie ein Casino. Und für alle, die etwas Gute-Laune-Musik mit nachhause nehmen möchten, gibt es einen eigenen Plattenladen an Bord.

Routen und Abfahrtshäfen: Gut erreichbar aus dem DACH-Raum

Unsere siebentägige Mittelmeertour führte von Barcelona über Toulon, Marina di Carrara, Civitavecchia (Rom) und Ibiza zurück nach Barcelona. Bis auf einen gebuchten Ausflug in Richtung Cinque Terre (klassich, wie bei anderen Reedereien) organisierten wir unsere Landbesuche selsbt.

Positiv aus Sicht von Reisenden aus dem DACH-Raum: Virgin Voyages setzt im Mittelmeer auf gut erreichbare Abfahrtshäfen wie Barcelona oder Athen, die sich problemlos mit dem Flugzeug erreichen lassen.

Sprache, Dresscode und Nachhaltigkeit

Die Bord- und Programmsprache ist ausschließlich Englisch. Ohne zumindest grundlegende Englischkenntnisse wird es an Bord schwierig, insbesondere bei Shows, Durchsagen und Restaurantkonzepten.

Der Dresscode ist tatsächlich so casual, wie Virgin Voyages es kommuniziert. Es gibt keine formellen Abende, Sakko oder Abendkleid sind nicht erforderlich. Lediglich für die Scarlet Night sollte man rote Akzente einpacken.

Zum Thema Nachhaltigkeit positioniert sich Virgin Voyages vergleichsweise transparent. Dazu zählen unter anderem der Verzicht auf Einwegplastik, moderne Antriebstechnologien sowie Maßnahmen zur Reduktion von Lebensmittelabfällen. Details finden sich auf der offiziellen Sustainability-Seite von Virgin Voyages: www.virginvoyages.com/sustainability.

Fazit: Für wen eignet sich Virgin Voyages?

Virgin Voyages ist doch etwas anders als klassische Kreuzfahrtreedereien. Der Ruf als reine Partyline greift jedoch zu kurz. Schiff, Kabinen, Service, Entertainment und vor allem das umfangreiche kulinarische Angebot bieten ein durchgehend hochwertiges, modernes Kreuzfahrterlebnis.

Unterschiede zwischen den vier Schiffen der Flotte sind gering - das Erlebnis ist auf allen weitgehend identisch.

Geeignet für

  • Junge und junggebliebene Reisende
  • Paare und Soloreisende
  • Gäste, die internationale Atmosphäre und hochwertige Gastronomie schätzen

 

Weniger geeignet für

  • Reisende ohne Englischkenntnisse
  • Familien mit Kindern unter 18 Jahren
  • Gäste, die Kreuzfahrten primär wegen der Destinationen buchen (aktuell bietet Virgin hauptsächlich Standards, die viele erfahrene Kreuzfahrende bereits kennen - allerdings kommen mit Alaska und der US-Westküste einige interessante Ziele dazu)

 

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